Christoph Koch

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Archiv für August, 2005

Ökomode: Jutes Gewissen

Verfasst von christophkoch am August 19, 2005

Wer beim Stichwort Ökomode an Batikhemden und Latzhosen denkt, liegt falsch. Kleider aus Biowolle sind endlich schick. Wurde ja auch Zeit! 

Shoppen und die Welt verbessern ­ und das am Samstagvormittag. Wie praktisch! Bislang basierte ethisches Handeln vor allem auf einer Tugend: Verzicht. Die neue »grüne Mode« hingegen gibt einem die Möglichkeit, vom Stadtbummel mit vollen Einkaufstüten und einem guten Gewissen nach Hause zu kommen. Was bei Nahrungs-mitteln und Kosmetik für viele schon lang selbstverständlich ist, nämlich auf Produktherkunft und Herstellungsbedingungen zu achten, ist nun auch in der Modeindustrie angekommen. Das Erstaunliche: Endlich sieht ökologisch hergestellte Mode gut aus ­ die Zeit der Batikshirts und unförmigen Leinenkleider ist vorbei.

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Der Designer Rogan Gregory von der Jeansfirma Loomstate zum Beispiel verarbeitet organisch angebaute Baumwolle und achtet darauf, dass ihre Färbe- und Bleichmittel biologisch gut abbaubar sind. Auch die walisische Modefirma Howies benutzt ausschließlich Stoffe, die ohne Pestizide und andere chemische Zusatzstoffe hergestellt wurden. Der T-Shirt-Hersteller American Apparel aus Los Angeles wurde mit dem Slogan »Sweatshop free« bekannt, der auf die hohe Bezahlung der Näher und die ungewöhnlich guten Arbeitsbedingungen hinwies. Auch American Apparel verwendet Biobaumwolle ­ zumindest in einer Produktlinie. Das riesige Werk in Los Angeles stellt darüber hinaus Schweißbänder und andere kleine Accessoires aus Stoffresten der normalen Produktion her und vermeidet dadurch mehr als 500 Tonnen Abfall im Jahr.

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Hard-Fi: “Wir sind alle Stars der Überwachungskamera“

Verfasst von christophkoch am August 17, 2005

Richard Archer, Sänger der britischen Band Hard-Fi, glaubt nicht, das Monitore Verbrechen verhindern können. Ein Interview über staatliche Kontrolle und die Jugend in der Vorstadt.

 

Die Londoner U-Bahnhöfe sind nach den Bombenanschlägen leerer geworden. Aber sie sind voll mit schwarz-gelben Plakaten, die eine stilisierte Kamera zeigen. Jene Art von Überwachungskamera, die Bilder von den Attentätern lieferte, in die Abendnachrichten, in die Wohnzimmer, in die Köpfe der Londoner. Die schwarz-gelben Plakate werben aber nicht für eine Verstärkung des Überwachungsnetzes, wie es in Deutschland derzeit die Innenminister Schönbohm und Beckstein fordern – sondern für eine CD.

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Das Album „Stars of CCTV“ der Band Hard-Fi, das diese Woche erscheint, ist für den Mercury-Preis nominiert und wird bereits als eines der besten Alben des Jahres gehandelt. Ein düsterer Bastard aus The Clash, Gorillaz und einem lokalen Dub-Soundsystem – dazu: Texte über das Leben unter „sozial erschwerten Bedingungen“ und eben Überwachungskameras. Über eine Welt, in der, wie die britische Musikzeitschrift NME schreibt, jeder Geldautomat dauerhaft auf „keine Auszahlung möglich“ gestellt ist – und jeder Schwangerschaftstest auf positiv. Wir haben mit Hard-Fi-Sänger Richard Archer, 28, über das Leben in der Provinz gesprochen und ihn gefragt, ob ein dichtes Netz aus Sicherheitskameras wirklich eine Lösung ist.

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Die reale Rechtschreibreform

Verfasst von christophkoch am August 2, 2005

Wie wir wirklich schreiben

 

Egal, wie viele Gremien noch tagen, egal welche Bundesländer ausscheren und egal, wie sich die Kultusminister letztlich entscheiden: Die wahre Rechtschreibreform findet schon längst statt – im Internet und auf den Handydisplays.

 

Groß- und Kleinschreibung

Die T9-Worterkennung im Handy kann leider Hauptwörter nicht von Verben unterscheiden – deshalb wird in SMS bis auf den Satzanfang alles klein geschrieben. „Die Großschreibung von Hauptwörtern kennen nur wenige Sprachen außer dem Deutschen. Aber wir arbeiten gerade an einer Lösung für dieses Problem“, verspricht Lisa Nathan, Produktmanagerin der T9-Software. Besitzer von Nokiahandys haben dieses Problem nicht, denn ihre Geräte schreiben SMS komplett in Großbuchstaben. Das sollte man wiederum im Internet schön bleiben lassen, denn in Chaträumen und Foren wird permanente Großschreibung als Schreien aufgefasst – und dementsprechend wenig goutiert.

 

Zeichensetzung

Grundsätzlich gilt die Zeichensetzung auch beim SMS-Schreiben, da aber 160 Zeichen sehr wenig sind, wird an den Kommata (oder den folgenden Leerzeichen) am ehesten gespart. Bei E-Mails hat sich wiederum die Regel „Ach, ich setz die so nach Gefühl“ durchgesetzt.

 

Sonderzeichen

Das wichtigste Sonderzeichen im Internet ist das Sternchen - denn es ermöglicht die Verschriftlichung von Gefühlen: *lach*, *wütendsei* oder *verschämtwegschau* bedeuten, dass der Schreibende gerade genau das tut, was er zwischen den Sternchen schreibt. Dass er dabei nicht unbedingt intelligent rüberkommt, scheint dem Autor in den meisten Fällen egal zu sein.

 

Eine andere Form der Sonderzeichen sind die ;-) Smilies oder ganz allgemein Emoticons. Durch die Allgegenwart des symbolischen Zwinkerns ist Ironie ohne solche Zeichen mittlerweile unmöglich geworden. Und kann zu handfesten Missverständnissen führen („Warum hast du denn dann keinen Smilie dahintergemacht, wenn es nur ein Scherz war, dass du dich verspätest, weil du deiner Mutter beim Crack-Aufkochen helfen musst?“)

 

Synonyme

Die Worterkennung der Handys schlägt beim SMS-Tippen automatisch das Wort vor, das ihr am wahrscheinlichsten erscheint. Leider ist das nicht immer das, was derjenige sagen wollte. Gerade unter Alkoholeinfluss werden deshalb gerne neue Synonyme in die Welt gesetzt: „Gute Macht/Nacht!“, „Bring eine Packung Adorno/Benson mit!“ oder „Ich meine/nehme die Echse/Fähre“.

 

Abkürzungen

 

Beim SMS-Schreiben ist zur Zeichenersparnis alles erlaubt, was gerade noch verständlich ist. „Dude! Danke f d Zirkuselef! Bring ihm grd bei, auf Discokugel z balancieren. Ach ja: Irgjmd ist d Cousine v Liv Tyler, ich hab verg, wer es war. Lg!“ Wenn irgendwo Sprache neu erfunden wird, dann hier. Im Internet haben Computerfreaks das Abkürzungswesen amtlicher reglementiert als es eine Behörde jemals vermocht hätte. In seitenlangen Verzeichnissen kann der interessierte Chatneuling die Kürzel von „LOL“ (laughing out lout) bis zum Trekkiegruß „LLAP“ (live long and prosper) nachlesen, auswendig lernen oder als Tapete neben den Computer hängen.

 

Text: Christoph Koch
Erschienen in: Süddeutsche Zeitung

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