Verfasst von christophkoch am Dezember 27, 2005
Der 26-jährige Evan Kohlmann kämpft im Internet gegen al-Qaida. Ein Gespräch über Propaganda und die entführte deutsche Archäologin
Er berät CIA und Pentagon, sagt in Gerichtsverfahren gegen Terroristen aus und hat ein Buch über das al-Qaida-Netzwerk veröffentlicht, das als Standardwerk gilt: Evan Kohlmann ist einer der führenden Anti-Terrorexperten der USA. Dabei ist er erst 26 Jahre alt.
Wir wollten mit dir eigentlich über deinen Job reden. Zuerst müssen wir aber nach der im Irak entführten Deutschen fragen: Was weißt du über die Kidnapper von Susanne Osthoff?
Bisher wissen wir leider nicht sehr viel über die Entführer. Aber sie scheinen keiner bekannten Gruppe anzugehören, sicher nicht der al-Qaida-Gruppe um Abu Musab Az-Sarqawi. Das ist insofern eine gute Nachricht, als dass Sarqawi als besonders grausam gilt. Er hat zum Beispiel den Amerikaner Nicholas Berg enthaupten lassen und ist nach Bin Laden der zweitwichtigste Mann bei al-Qaida.

Evan Kohlmann (linkes Foto) und Abu Musab al-Zarqawi
Bisher war Deutschland kein Ziel von Terroranschlägen und Entführungen. Wird sich das jetzt dauerhaft ändern?
Die deutsche Regierung hat klargemacht, dass sie kein Lösegeld bezahlen wird. Ob sie diese Aussage aufrechterhalten kann, hängt von dem öffentlichen Druck ab, den die Kidnapper aufbauen können. Da Deutschland kein Koalitionspartner der USA im Irak ist, glaube ich aber nicht, dass es häufiger zur Entführung von Deutschen kommen wird – auch wenn man es bei den Fanatikern um al-Sarqawi nicht ausschließen kann.
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Verfasst von christophkoch am Dezember 20, 2005
Schwarze Witwe statt Schulmädchen: Der neue Pop-Schocker des „t.A.T.u.”-Erfinders
Ivan Shapovalov ist kein Mann vieler Worte. Der russische Musikproduzent, der als Erfinder des Popduos t.A.T.u. weltberühmt wurde, antwortet auf die Interviewanfrage per E-Mail nur mit einer Telefonnummer und dem Satz: „It is possible.” Auf die Rückfrage, wann man ihn am besten erreichen könne, kommt wieder nur eine Zeile: „Any time.” Als er dann endlich abnimmt, bittet er, eine Stunde später noch mal anzurufen. Nach 55 Minuten eine neue Mail: „Call now :)”. Da ist tatsächlich ein Smiley.

Ivan Shapovalov, das ist - der neue Malcolm McLaren. Der hatte Ende der siebziger Jahre die Welt in Rage versetzt, weil er eine Band namens Sex Pistols in Hakenkreuz-Shirts über die Queen, Bergen-Belsen und Anarchie singen ließ. Das würde heute nur noch begrenzt schocken, weil es als Pop-Strategie erkennbar wäre. Shapovalov hat trotzdem etwas ähnliches wie einst McLaren geschafft. Mit zwei jungen Mädchen in Schuluniformen - die sich innig küssten.
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Verfasst von christophkoch am Dezember 6, 2005
Der Schnorrer
Seine Kleidung kauft er im »Designer Outlet«. Gesundheitsratschläge holt er sich von befreundeten Medizinern auf Partys. Immer wenn die Zigarettenpreise steigen, hat er »eigentlich gerade aufgehört«. »Eine letzte noch« ist ein beliebter Satz, wenn er zum zehnten Mal nach einer Zigarette fragt. Hört man von ihm nichts, ist es in der Regel September. Da ist er aus dem Urlaub zurück und raucht zollfreie Zigaretten – die erlaubten Stangen hat er am Flughafen auf die ganze Familie verteilt.
Er hört auf, wenn … alle anderen nur noch Drehtabak oder im Hindukusch hergestellte Lungenkratzer rauchen.
Der Softpackraucher
Egal, ob er gerade bei Habitat einkauft, etwas in seinem Wok kocht oder am Kicker steht, immer wieder erzählt er dieselbe Geschichte: Die Softpacks würde sein Kioskbesitzer um die Ecke bestellen, exklusiv für ihn. Umständlich knibbelt er eine filterlose Zigarette aus der zu engen Verpackung – das legere Herausklopfen hat nicht funktioniert, oder der Schachtelinhalt flog durch den ganzen Raum. Zu dumm, dass die Zigarette mal wieder in der Mitte reißt. Anstatt sie nun wegzuwerfen, versucht er mit Zeigefinger und Daumen beim Rauchen den Riss zu schließen. Das sieht überhaupt nicht mehr »designmäßig« aus.
Er hört auf, wenn … Kautabak sich als neuer Trend durchsetzt.
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