Das Sonnenblumen-Haus
Verfasst von christophkoch am Oktober 26, 2007
Während im sächsischen Mügeln acht Inder mit Nazi-Parolen beschimpft und durch die Stadt gehetzt werden, kämpft man in Rostock-Lichtenhagen noch immer mit der Vergangenheit: Vor 15 Jahren griffen hier dreitausend Menschen ein Wohnhaus für Asylbewerber an - die massivsten ausländerfeindlichen Übergriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte. Eine Spurensuche.
»Das bisschen Totschlag Bringt uns nicht gleich um
Ich kann den ganzen Scheiß einfach nicht mehr hören
Sagt mein Mann.
Ist ja gut jetzt, alte Haut
Wir haben schon Schlimmeres gesehen
Und ich sag noch
Lass uns endlich mal zur Tagesordnung übergehen.«
Die Goldenen Zitronen)

Die Eisentreppe ist inzwischen neu gestrichen. Aber die Gittertür, die den Zugang aufs Dach versperrt, ist immer noch genauso massiv. »Ich weiß nicht mehr, wie wir die damals aufbekommen haben«, sagt Wolfgang Richter und schüttelt seine grauen Locken. »Wir hatten eine Eisenstange und eine Axt aus einem dieser Notfallkästen im Treppenhaus. Die unteren Stockwerke standen da ja schon in Flammen, man konnte vor lauter Rauch fast nichts mehr sehen.« Richter, damals wie heute Ausländerbeauftragter der Stadt Rostock, tritt auf das Flachdach des »Sonnenblumenhauses« in Rostock- Lichten hagen. Ein freundlicher Name für ein tristes Platten bau-Hochhaus, das 1992 Schauplatz der massivsten ausländerfeindlichen Gewalt taten der deutschen Nachkriegs geschichte war. Die überfüllte »Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber« (ZASt) hatte damals den Unmut der Anwohner so erregt, dass sie drei Nächte hintereinander zuerst die ZASt angriffen, nach deren Räumung dann das daneben gelegene Wohnhaus, in dem überwiegend vietnamesische Gastarbeiter aus DDR-Zeiten lebten.
Den Rest des Beitrags lesen »
Veröffentlicht in Neon | Getaggt: Neon | Keine Kommentare »
