Christoph Koch

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Wie wird man eigentlich Blogger, Malte Welding?

Verfasst von christophkoch am April 7, 2008

Malte Welding, 33, ist einer der wenigen deutschen Internet-Autoren, die bislang vom Schreiben für Weblogs leben können. Er arbeitet unter anderem für spreeblick.de, eines der in Deutschland populärsten Blogs, und für das Fußball-Blog fooligan.de.

Meine ersten öffentlichen Texte habe ich für die Abi-Zeitung geschrieben. Die sorgte damals wegen eines Rap-Textes über unsere Lehrer für ziemlichen Wirbel: schlecht gereimt, dafür gut getroffen. Mit 16 wollte ich unbedingt Bundeskanzler werden und an die Öffentlichkeit treten. Außerdem war mir wichtig, später einen Beruf zu haben, bei dem ich nicht früh aufstehen muss. Wenigstens teilweise habe ich meine Ziele erreicht.


Nach der Schule begann ich ein Germanistikstudium - hatte aber schon bald das Gefühl, nicht wirklich Neues zu lernen. Im Grunde war das nur Deutsch-Leistungskurs mit akademischem Anspruch. Ich schrieb mich für Jura ein. Im Gegensatz zu dem Klischee, Jura sei so trocken, befindet man sich mit diesem Studium mitten im Leben. Die Scheine machte ich in fünf Semestern, dann fing die große Prokrastination an. Vor dem Examen ein Jahr lang nur lernen, das war nichts für mich. Es setzte eine lange Phase des ziellosen Herumstudierens ein, in der ich mir in ungefähr fünf Fachgebieten Drittsemesterwissen aneignete. Mein Leben war also eine einzige Vorbereitung auf Wer wird Millionär. Oder eben auf das Bloggen.

Mit Letzterem fing es vor zwei Jahren an: Johnny Haeusler - der Spreeblick-Gründer und wohl einer der bekanntesten Blogger Deutschlands - wollte zur WM 2006 ein Fußball-Blog aufziehen. Ein Freund fragte mich, ob ich Lust hätte, mitzumachen, weil er wusste, dass ich mich mit Fußball auskenne. Ich fand die Idee interessant, abseits von Poldi-und-Schweini-Plattitüden über Fußball schreiben zu können. Am ersten Tag hatten wir mit Fooligan auf Anhieb 6.000 Leser, zum Ende der WM hin war Fooligan dann auf Platz 3 der meistgelesenen Blogs in Deutschland. Ein voller Erfolg also. Nach der WM habe ich bei Spreeblick angefangen. Johnny Haeusler und Tanja Kreitschmann, den Machern von Spreeblick, habe ich es in erster Linie zu verdanken, dass ich vom Bloggen leben kann, denn sie starten mehr Projekte, als andere Menschen Finger haben. Aus den Erlösen - vorwiegend Werbeeinnahmen, aber auch die Betreuung verschiedener Firmenblogs - werde ich bezahlt.

Die einzige Frage, die ich mir beim Schreiben stelle, lautet: Interessiert mich das?

Um in Deutschland als Blogger erfolgreich zu sein, muss man entweder ein Trüffelschwein sein - also interessante Dinge als einer der Ersten ausgraben - oder unterhaltsam schreiben können. Das Beherrschen der Schriftsprache spielt dabei kaum eine Rolle: Es gibt erfolgreiche Blogs, die von Menschen betrieben werden, die keine drei Sätze unfallfrei formulieren können. Wichtig: Fehler dürfen gemacht und eingeräumt werden. Angesichts einer Leserschar, die sehr wahrscheinlich über mehr Wissen verfügt als man selbst, wird man schnell zu Staub und hat sich in eben diesen zu werfen, sobald man sich irrt. Ich schreibe im Schnitt für junge, intelligente, technik-affine Menschen. Denen kann ich nicht mit einer Ich-erkläre-euch-jetzt-mal-die-Welt-Attitüde entgegentreten. Mache ich natürlich trotzdem, auch wenn ich weiß, dass es dann Kritik hagelt. Aber mir sind Beleidigungen egal. Da sitzen Leute vor ihren Rechnern, jeder hat etwas anders erlebt, und manchmal geht da halt der Frust mit denen durch. In solchen Fällen sage ich mir dann immer: Die meinen nicht dich, die meinen eine Vorstellung von dir.

Geregelte Arbeitszeiten darf man als Blogger nicht erwarten - oder anders formuliert: Man muss sie nicht fürchten. Die reine Schreibzeit ist im Grunde nicht sehr lang. Aber ich kann meine Arbeit nicht genau von meinem restlichen Leben abgrenzen, könnte also auf die Frage nach meiner täglichen Arbeitszeit genauso gut 18 Stunden antworten wie eine. Ich arbeite nicht als Autor, ich bin Autor.

Die einzige Frage, die ich mir beim Schreiben stelle, lautet: Interessiert mich das? Wenn es mich interessiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es auch andere interessiert. Die Vorteile beim Bloggen gegenüber einem normalen Redakteursjob: Ich muss keinen Chefredakteur davon überzeugen, dass das Thema etwas für die Leser ist. Es gibt keine Themen, die ich behandeln muss, weil andere darüber berichten. Niemand pfuscht mir in den Texten herum, und ich muss nicht auf die Länge achten. Was mir besonders gut gefällt: Ich mache etwas, was ich immer schon getan habe. Ich nehme Dinge auf, die geschehen, erhitze sie in meinem Kopf und serviere sie meiner Umwelt. Früher war es mein Bekanntenkreis, jetzt sind es rund 15.000 Menschen am Tag.

Protokoll: Christoph Koch
Erschienen in: FAZ Hochschulanzeiger
Foto: privat

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2 Antworten zu “Wie wird man eigentlich Blogger, Malte Welding?”

  1. Wie wird man eigentlich Blogger? : Malte Welding sagt:

    [...] hat Christoph Koch für den FAZ Hochschulanzeiger einen Text gemacht. [...]

  2. weplog » Interview mit Malte Welding… sagt:

    [...] …bei Christoph Koch für den FAZ Hochschulanzeiger. [...]

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