Segler oder Selbstdarsteller? Die große Professorentypologie
Verfasst von christophkoch am Mai 13, 2008
Jedes Semester treffen Studenten auf Dozenten, deren Namen sie zum ersten Mal hören. Wie der neue Prof tickt? Das ist im Grunde ganz simpel: Er lässt sich wahrscheinlich einem von sieben Typen zuordnen.
Der Gockel
Die Uni ist die Bühne, auf der ein Stück gegeben wird, in dem er stets den Hauptdarsteller spielt: tadelloser Anzug, randlose Brille, perfektes, glänzendes Haar. Seine Vorlesungen eröffnet er gern mit einem berühmten Zitat. Dabei wedelt er in großen Gesten mit seinen Armen. Und marschiert während eineinhalb Stunden rund fünf Kilometer hin und her durch den Hörsaal.
Exakte Wissenschaft? Methodik? Firlefanz! Was zählt ist, wie man sich verkauft. Er liebt es, First Class zu großen, internationalen Kongressen zu fliegen. Seine Entourage aus karrierefreudigen Doktoranden fährt derweil mit dem Zug hinterher. Dort feilt sie an seinen Vorträgen. Schließlich ist ihr Chef gütig, außer man stellt ihn durch mangelnde Perfektion bloß. Wenn sich ein Fehler auf seiner Powerpoint-Folie eingeschlichen hat, spannt sich seine Gesichtsmuskulatur zu einem gequälten Lächeln. Jetzt wissen die Untertanen: Die Rache wird fürchterlich und persönlich verletzend sein.
Das Wochenende verbringt der Gockel in seinem kleinen Landhaus. Dorthin lädt er Freunde aus der Wirtschaft ein, oder er schreibt einen “längst überfälligen” Leserbrief an eine überregionale Zeitung. Erscheint dieser, am besten noch mit Foto, spendiert er eine Runde billigen Prosecco am Lehrstuhl. In das Klatschen seiner Doktoranden für so viel Edelmut ruft er hinein: “Vielen Dank. Der Applaus ist schließlich der Lohn des Künstlers!”
So gehst du mit ihm um: Setze deine WG-Kollegen kurz vor der Prüfung auf ihn an. Sie sollen ihn darauf ansprechen, ob er der Professor ist, den man aus der Zeitung kennt und von dem ihr Mitbewohner immer so schwärmt.
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