Archiv für die Kategorie ‘Intro’
Verfasst von christophkoch am 16. März 2009
(Anlässlich des großartigen Films „The Wrestler“ mit Mickey Rourke habe ich einen Artikel über Backyard Wrestling entstaubt, den ich vor einiger Zeit für das Musikmagazin Intro zum Film „The Backyard“ von Paul Hough geschrieben habe.)
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The Backyard – „Schmerz ist das einzige, das immer für mich da sein wird.“
In der Einöde von Nevada graben zwei Jungen ein Loch in den trockenen Sandboden hinter ihrem Haus. Sie füllen es mit Glühbirnen und Neonröhren, die sie von einem One-Dollar-Store geholt haben und decken legen ein Brett darüber, um das Stacheldraht gewickelt ist. Ihre Mutter, die schon im Baumarkt mit dabei war, lobt die Konstruktion – dann sieht sie zu, wie beide mit Klappstühlen und stacheldrahtumwickelten Baseballkeulen aufeinander losgehen und sich gegenseitig durch das Brett, das inzwischen auch noch angezündet wurde, In die Grube schleudern.
So sieht die Eingangssequenz des Dokumentarfilms „The Backyard“ aus, gleichzeitig waren die beiden Brüder und die „Three Stages of Hell“, wie sie ihre Inszenierungen nennen, der Einstieg für Regisseur Paul Hough in die Thematik: „Als ich zum ersten Mal einen Kampf von ihnen gesehen habe, war ihre Mutter nicht dabei. Einer von ihnen musste danach mit Verbrennungen in die Notaufnahme. Als die Mutter dort auftauchte, erwartete ich riesigen Ärger. Aber sie wollte nur wissen, ob die beiden eine gute Show abgeliefert hätten. Das war für mich so unbegreiflich, dass ich beschloss, einen Film über Backyard Wrestling zu drehen.“

Mehrfach ausgezeichnet: Die Dokumentation "The Backyard"
Der in Hollywood lebender Londoner fand schnell heraus, dass es in den USA Tausende von Backyard Federations¹ gibt, eigentlich in jeder Stadt mindestens eine. Mit leichtem Gepäck reiste er daraufhin wochenlang durch die USA und England. Filmte die verschiedenen Kämpfe und ihre Vorbereitungen mit einer leichten Handkamera: „Bei den Kämpfen war es oft nicht einfach“, sagt er auf die Frage nach den Rahmenbedingungen. „Ich musste so nah ran wie möglich, aber gleichzeitig flogen Holzlatten, Neonröhren und andere Dinge durch die Luft.“
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Verfasst von christophkoch am 26. Januar 2006
Tomte-Sänger Thees Uhlmann erklärt, was es mit den Texten seineneuen Albums auf sich hat.
Nach den zwei Indie-Erfolgen „Du Weißt, Was Ich Meine“ und „Eine Sonnige Nacht“ knackten Tomte 2003 mit „Hinter All Diesen Fenstern“ nicht nur die Charts, sondern lösten Tocotronic als die Band ab, deren Songtitel in deutschen Feuilletons für Überschriften entfremdet werden. Das neue Album „Buchstaben Über Der Stadt“ knüpft nahtlos an das letzte Werk an, toppt es in vielerlei Hinsicht sogar – und könnte sich als das wichtigste deutsche Album des Jahres 2006 erweisen. Grund genug, das Album Track für Track mit Sänger Thees Uhlmann durchzugehen, Textexegese zu betreiben und geiles Nerd-Wissen für den Tomte-Stammtisch zu sammeln.

Thees "Shuffle" Uhlmann dreht im ICE Hamburg-Berlin die neue "The Natonal" so laut, dass Olli "Tetrapackwasser" Koch nicht weiß, ob er lachen oder taub werden soll.
1. Ich Sang Die Ganze Zeit Von Dir
„Durch die Straßen, durch die Gassen / Weht ein heißer Wind / Der nur sagt: / Bitte bleib am Leben.“
Diese Angst, einen geliebten Menschen an den Tod zu verlieren, die auch schon in der Zeile „Lass mich vor dir sterben“ vorkam, die ist in mir schon stark verankert. Ich weiß nicht, warum ich mir darüber solche Gedanken mache, aber ein Satz, der wahnsinnig oft von mir kommt, ist: „Versprich mir, dass du immer gut auf dich aufpasst.“ Es ist vielleicht eine Art Aberglaube, das so zu beschwören und sich und dem anderen klar zu machen: Ich möchte noch viel Zeit mit dir verbringen, mein Leben wäre schlechter, ärmer, beschissener, wenn es dich nicht mehr gäbe. Es ist natürlich auch ein Liebeslied. Ich weiß noch, das kam so aus mir rausgeflossen, und ich zögerte noch für einen Moment, ob das jetzt zu peinlich wäre. Aber dann habe ich beschlossen: Nö.
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Verfasst von christophkoch am 16. November 2005
Auf der Suche nach Pete Doherty, von den einen als größter Musiker seiner Generation verehrt, von anderen als dümmlicher Junkie im Schlepptau von Kate Moss verachtet.
Junge trifft Jungen. Sie gründen die Libertines, „die beste Band ihrer Generation“ (NME). Band trinkt viel und nimmt Drogen, Junge nimmt immer am meisten. Junge fliegt aus der Band, Junge bricht bei Band-Freund ein, um Heroinsucht zu finanzieren. Junge geht ins Gefängnis. Junge und Band söhnen sich wieder aus. Band nimmt zweites Album auf. Bodyguards verhindern Prügeleien und Crackhead-Besuche im Studio. Junge versucht Entziehungskuren – bricht alle ab. Band wirft Jungen endgültig raus, Junge trifft neue Band: die Babyshambles. Junge trifft Mädchen: Kate Moss. Band gilt als unfähige Chaostruppe, Mädchen wird im Studio beim Koksen gefilmt. Mädchen trennt sich von Junge, Menschen schließen Wetten ab, wie lange Junge noch lebt. In die Ecke getrieben, tritt Junge nach Welt aus. Welt tritt zurück – mit einem Mal beschissen viel härter.

Gegen die Welt, gegen den Strich
Es ist schwer, derzeit an die Babyshambles heranzukommen. Ein Interview in London im Rahmen eines Konzerts in der Brixton Academy wird kurzfristig abgesagt. Niemand weiß, wo Pete ist. Das einzige Lebenszeichen seiner Musiker besteht aus „This is Drew’s phone“-Mailboxansagen. Irgendwann steht dann doch eine Verbindung in ein turbulentes Pub irgendwo in East London. „Es ist alles gerade sehr schwierig und chaotisch“, erklärt Babyshambles-Bassist Drew McConnell. „Wir haben keinen Manager mehr. Unser Gitarrist Patrick fliegt gerade aus seinem Haus raus. Pete will zu Kate zurück, aber er darf sie nicht sehen. Vielleicht, wenn sie wieder in England ist …“ Kurz begrüßt er ein neues Gesicht am Tisch, dann ist er wieder bei der Sache. Erzählt von ihren Instrumenten, die die Polizei seit geraumer Zeit beschlagnahmt hält: „Es ist zum Kotzen. Wir spielten ein Konzert in einem Pub. Kate war auch da, es war ein toller Abend. Zwei Stunden nach dem Konzert saßen wir noch herum und feierten, als die Polizei erklärte, es habe Beschwerden über zu viel Lärm gegeben, und alle Instrumente konfiszierte. Ich war sieben Mal auf der Polizeiwache und wollte die Ausrüstung abholen, aber sie rücken sie nicht raus. Jedes Mal sagen sie mir, der zuständige Beamte sei gerade nicht da.“
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Verfasst von christophkoch am 24. März 2005
Sie kamen aus dem Nichts und waren das große deutsche Pop-Phänomen der letzten beiden Jahre: über 500.000 verkaufte Exemplare des Debütalbums „Die Reklamation“, drei Echos, komplett ausverkaufte Tourneen, mehrere Harald-Schmidt-Auftritte. Jetzt geht es in die zweite Runde, und plötzlich sind sie alle da: die Erwartungen. Der Druck. Die Über-Indies, die ein Straucheln sehen wollen. Die Klatschpresse und die großen Nachrichtenmagazine. Die Fußballstadien voller gespannter Fans. Ein Studiobesuch bei Wir Sind Helden.

Kampfansage im Frack: Wir Sind Helden beim Videodreh zu "Gekommen um zu bleiben"
Ein Abend Ende Januar im kalten, grauen Berlin. In einem Kreuzberger Keller nimmt Bassist Mark gerade noch eine Akustikgitarren-Spur auf: einen der letzten Parts für das neue Album. Seit vier Monaten sind Wir Sind Helden inzwischen im Studio, fünf bis sechs Tage die Woche. Vier Monate unter Tage, umgeben von einer stimmungsaufhellenden Tageslichtlampe und einem Tischkicker. Eine gute Gelegenheit, um Panik zu kriegen ob des Erfolgsdrucks, der draußen wartet. „Der Druck war eigentlich am stärksten, als ‘Die Reklamation’ gerade raus war und wir noch keinen einzigen neuen Song hatten“, erzählt Schlagzeuger Pola Roy und streicht über seinen Bart. „Danach wurde es eigentlich immer besser. Natürlich knuffen einen Leute in die Seite: ‘Hey, die zweite Platte ist die schwerste, da könnt ihr doch nur noch verlieren.’ Aber ein bisschen Druck braucht man ja auch.“
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Verfasst von christophkoch am 30. November 2004
Ivan Shapovalov brachte uns im letzten Jahr t.A.T.u., zwei küssende Mädchen in Schuluniformen, sein neuer Streich heißt n.A.T.o. – und benutzt als Tabuthema nicht Pädophilie, sondern islamistischen Terrorismus.
Das Video zu ›Chor Javon‹, der ersten Single von n.A.T.o., kursiert bereits im Internet und wurde an Majorlabels in aller Welt geschickt. Es zeigt ein verschleiertes Mädchen, das statt Schuluniform eine schwarze Burkha trägt, die sie aussehen lässt wie eine »schwarze Witwe« – die Selbstmordattentäterinnen, die Russland derzeit in Atem halten. Ihr Gesicht wird in verschiedene Nachrichtensendungen hineingeschnitten, Worte wie »Al-Qaida«, »Oil« und »Terrorism« werden eingeblendet. In einer Szene sieht es tatsächlich so aus, als würde sich die Sängerin in die Luft sprengen. Die Musik dazu: wehmütiger arabischer Gesang über dicke, krachende Beats, wie man sie von t.A.T.u.-Songs wie ›They’re Not Gonna Get Us‹ oder ›All The Things She Said‹ kennt – Hitpotenzial für die Dancefloors von Wladiwostok bis Frankfurt also durchaus vorhanden. Ein Anruf bei Ivan Shapovalov, dem brillanten Pop-Impresario – er klingt Valium-satt, spricht in kurzen, abgehackten Sätzen, rollt das R, wie es sich für Männer des Ostens gehört.

"Die Musik von n.A.T.o. wird den Menschen helfen, ihre Angst zu verlieren." - Szene aus "Chor Javon"
Sie werden manchmal mit Malcolm McLaren, dem Erfinder der Sex Pistols, verglichen. Für ein englisches Magazin haben Sie einmal ein Gespräch mit ihm geführt. Konnten Sie dabei gewisse Ähnlichkeiten feststellen?
Wir haben uns gut verstanden, aber ich vergleiche nicht – weder mich noch andere. Solche Vergleiche sagen meist mehr über die Leute aus, die sie anstellen, als über die, die verglichen werden. Fragen Sie besser die Leute, die sich solche Vergleiche ausdenken.
Wann haben Sie aufgehört, mit t.A.T.u. zusammenzuarbeiten?
Ich weiß nicht mehr genau, wann das war. Aber für mich war es auch nie Arbeit. So etwas ist nie Arbeit.
Was ist es dann?
Es ist mein Leben.
Also gut – wann haben Sie aufgehört, mit t.A.T.u. zu leben?
Ich habe nicht aufgehört. Die Mädchen haben aufgehört.
Haben Sie noch Kontakt zu ihnen?
Ich höre von ihnen aus den Medien, aber wir haben keinen persönlichen Kontakt mehr.
Was haben Sie gedacht, als die beiden öffentlich gemacht haben, dass sie gar nicht lesbisch sind und eine von ihnen sogar schwanger wurde?
Ich habe nie behauptet, dass die beiden lesbisch sind – das war bloß das Medienimage. Für mich war es immer ein Phänomen, das man oft zwischen Mädchen beobachten kann: eine sehr enge Freundschaft, die irgendwann zu Liebe wird.
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Verfasst von christophkoch am 30. August 2003
Während ein Großteil der HipHop-Landschaft stets dieselben Themen – Finanzen, Rauschgifthandel und Beischlaf – bemüht, entführte uns Atlantas dynamisches Duo Outkast in eine andere, bessere Welt: Stankonia. Andre Benjamin (Dre3000) und Antwan Patton (Big Boi) haben es im Lauf von rund zehn Jahren und vier Alben geschafft, ein bizarr-durchgeknalltes Paralleluniversum aufzubauen, wie es seit George Clintons Landung mit dem Mothership kein zweites gab.

Big Boi - Mag: Pitbulls und Pelzmäntel / Mag nicht: mit Andre3000 in einem Raum sein.
Nach Achtungserfolgen in der Rap-Szene und Musikpresse knackten die beiden Südstaatler mit ihrem vierten Album “Stankonia” und der Single “Ms Jackson” schließlich auch den Mainstream: dreifaches Platin in den USA (Album) und Platz eins der deutschen Single-Charts. Jetzt steht der Nachfolger ins Haus, ein Doppelalbum sogar, doch es ist kein gemeinsames Werk mehr, sondern ein siamesischer Zwilling aus zwei Soloalben. Was das für die Zukunft von Outkast bedeutet und ob die beiden immer noch wie “Brüder verschiedener Mütter” sind – eine Reise in den Süden Frankreichs soll es verraten.
Hey Ya, I Love The Way You Move
Das Hotel Du Castellet, in dem Big Boi und Dre abgestiegen sind, liegt ungefähr eine Stunde von Marseille entfernt im absoluten Niemandsland. Der Taxifahrer muss bei der Rezeption anrufen und sich telefonisch hinlotsen lassen, doch nach der Ankunft wird klar, warum das amerikanische HipHop-Duo den weiten Weg auf sich genommen hat: In einem Mix aus provençalischer Architektur und altem römischen Landsitz streckt sich das Areal des Hotels über mehrere Hektar hin, statt in Zimmern wohnen die Gäste in kleinen Häuschen mit eigener Terrasse. Draußen sorgen Pinien und Zypressen, Golf- und Tennisplatz, Pool und ein berauschender Talblick für die Entspannung der oberen Zehntausend. Ein komplett künstliches Legoland, das labile Gemüter wahrscheinlich am dritten Tag in den Wahnsinn oder in eine schwere Valium-Abhängigkeit treibt.
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