Christoph Koch

Wollt grad sagen.

Archiv für die Kategorie ‘Tagesspiegel’

Highland Games in Schottland: Ein Baumstamm ist zum Werfen da

Verfasst von christophkoch am 15. Mai 2009

Mit den schottischen Highland Games findet im Sommer jedes Wochenende eine Mischung aus traditionellem Sportfest und moderner Hüpfburg-Kirmes statt

„Ah! Endlich kann ich meine Hose ausziehen!“ Alan Torrance, der Mann mit dem rotesten Haar der Welt, fasst sich unter den karierten Kilt und zieht mit einem erleichterten Seufzer eine schwarze Radlerhose hervor. „Bei den Wettkämpfen fliegt einem so oft der Rock hoch – aber unten ohne zu gehen, ist einfach angenehmer.“ Er hat gerade an einem Wettkampf der Highland Games im schottischen Blair Atholl teilgenommen. Vormittags, als die örtlichen Männer ihre Kraft beweisen durften, bei geheimnisvoll klingenden Disziplinen wie Caber Toss oder Tug of War. Als die weitläufige Wiese, die nun als Parkplatz dient, noch nicht voller Autos stand und die Fressbuden und Marktstände noch mit dem Aufbau beschäftigt waren.

Jetzt scheint die Mittagssonne auf die Menschenmenge, die vor dem Blair Castle herumspaziert oder von einem Grashügel aus die kreisrunde Wettkampfarena beobachtet. Hier machen sich jetzt die Profis warm, ein Dutzend Männer zwischen 20 und 40 mit Oberarmen wie Bierfässer und Schenkeln so dick wie zwei Öltanks. Mit kurz geschorenen Haaren, Kilts und weit geschnittenen T-Shirts mit Werbeaufdrucken stehen sie vor David Martin, dem 11. Duke of Atholl. Der Herzog ist Chef des örtlichen Clans und pflegt gerade das Eröffnungsritual. Ein altes Schwert und einen Schild hebt er hoch und dreht sich damit in alle vier Himmelsrichtungen. In der aufblasbaren Hüpfburg kreischen derweil die Kinder.

Die Atholl Highlanders - Europas letzte Privatarmee, bestehend aus Lehrern, Familienvätern, Braumeistern

Die Atholl Highlanders - Europas letzte Privatarmee, bestehend aus Lehrern, Familienvätern, Braumeistern

„Der Gesamtsieger wird heute das Schwert und den Schild mit nach Hause nehmen dürfen“, erklärt Alan. Dazu gebe es ein kleines Preisgeld. „Die vier Windrichtungen stehen für das weite Umland, aus dem früher die Highlander zu den Gatherings, also der Vorstufe der Games gekommen sind“, erklärt Alan weiter. Er selbst hat heute Morgen nur zum Spaß mitgemacht bei den Highland Games, die – wie fast alles in Schottland – eine Mischung aus Tradition und aufgesetzter Folklore sind. „Nach der verlorenen Schlacht von Culloden 1746 und der ethnischen Säuberung der Highlands durch die englischen Truppen war es erst Königin Victoria, die im 19. Jahrhundert wieder Gefallen an Schottenkaros und Dudelsackmusik fand“, erläutert Alan – und spricht dabei tatsächlich so druckreif. Mit ihrem romantischen, von Sir-Walter-Scott-Büchern beeinflussten Blick habe sie das heutige Bild von Schottland geprägt.

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Schluss mit Kumpel: Wie man seine Freunde loswird

Verfasst von christophkoch am 15. Januar 2009

Fürs neue Jahr werden immer wieder gute Vorsätze gefasst. Wie wär’s denn mal mit dem: Ich treffe mich nur noch mit Leuten, die mir wirklich wichtig sind!

„Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber wir müssen reden.“ Nein, so geht es auf gar keinen Fall. „Ich habe in letzter Zeit viel nachgedacht, auch über uns beide.“ Oh Gott, das klingt ja wie in einem schlechten Film! Vielleicht besser ganz sachlich? „Es ist nicht mehr so wie früher. Wir sollten uns nicht mehr sehen.“ Irgendwie geht das auch nicht. Aber wie denn dann?

Wer denkt, eine Liebesbeziehung zu beenden sei schwierig, möge bitte einmal versuchen, eine langjährige Freundschaft aufzulösen. Denn einen Liebhaber oder eine Geliebte abzuservieren, ist ein Picknick im Park – verglichen mit der Aufgabe, den Stecker aus einer Freundschaft zu ziehen.

Fast jeder stand schon vor diesem Problem: Man kennt den anderen lange, hat viel miteinander durchgemacht, gute Zeiten erlebt. Aber jetzt fühlen sich die Anrufe des alten Freundes wie eine Wurzelkanalbehandlung beim Zahnarzt an. Und die Verpflichtung, sich mal wieder zu melden, belastet wie der wachsende Berg Altpapier, der längst hätte weggebracht werden müssen, oder wie der seit Wochen überfällige Brief ans Finanzamt. Trotzdem: Eine klare Aussprache erscheint grauenvoll. Müsste man sich entscheiden, würde man in der Regel lieber das Land verlassen, als dem anderen offen zu erklären, dass und warum man keine Lust mehr hat, gemeinsam Zeit zu verbringen. Warum bloß fällt es so schwer, sich einzugestehen und auszusprechen, dass eine Freundschaft ihr Verfallsdatum überschritten hat?

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Extreme Cross-Speed-Schachboxing: Die beklopptesten Trendsportarten

Verfasst von christophkoch am 20. November 2008

Neu! Das Sommerloch jetzt auch im Winter! Wem Fußball, Yoga oder Tennis viel zu konventionell sind, findet vielleicht in einer der folgenden Trendsportaten sein Glück, die von den Medien Jahr für Jahr wieder durchs Themendorf getrieben werden.

Crossgolfing

Darum geht’s: Golfbälle schlagen ohne Golfplatz und ohne – das ist den „Crossern“ besonders wichtig – ohne snobbige Klamotten. Statt auf frisch gemähtem Rasen wird in Industriebrachen abgeschlagen und statt im Clubhaus wird das Bier schon während des Spiels getrunken.

Entstehung: Als erster Cross-Golfer gilt Captain Alan B. Sheperd, der bei der Mondlandung 1971 zwei Bälle mehrere Meilen weit schlug. Andere wiederum sagen, dass das Crossgolfen dem ursprünglich von Schäfern erfundenen Urgolf am nächsten kommt – die hatten ja auch keine abgesteckten Parcours, sondern nur das weite Land.

Vorzeigeathleten: Crossgolf-Teams nehmen es auch mit dem Humor sehr ernst und nennen sich deshalb „Natural Born Golfers“, „AGB – Apokalytpische GolfBurschenschaft“ oder „Böhse Golferz“. Der populärste deutsche Crossgolfer ist der Hamburger Thorsten Schilling, der dort 1995 das erste deutsche offizielle Turnier ausrichtete.

Größter Moment: Indierock-Legende J Mascis spielt 1994 im Video zum Song „Feel The Pain“ seiner Band Dinosaur Jr eine Partie Crossgolf quer durch Manhattan.

Schlagzeilen: „Sicherheit statt Sixpack“ (FR), „Einputten im Baggerloch“ (SZ), „Einlochen in der Baggerschaufel“ (SZ), „Generation Crossgolf“ (Welt), „Immer schön locker bleiben“ (taz), „Currywurst statt Carpaccio“ (Spiegel)

Polylux berichtete: nein

J Mascis crossgolft sich in "Feel The Pain" durch New York City.

Schwieriger Schlag: J Mascis crossgolft sich in "Feel The Pain" durch New York City

Schachboxen
Darum geht’s: Ein Schachboxkampf hat elf Runden: sechsmal Schach à vier Minuten, fünf Boxrunden à zwei Minuten, immer abwechselnd. Dazwischen gibt es jeweils eine Minute Pause, damit sich die Kämpfer erholen können und das Spielbrett im Ring auf- oder abgebaut werden kann. Sieger ist, wer ein K. o. im Ring oder ein Schachmatt am Brett erzielt.
Entstehung: Iepe Rubingh, ein in Berlin lebender Holländer, entdeckte den Sport in dem Comicbuch „Nikopol vs. John Elvisson“ und wollte ihn als Fan beider Sportarten in die Realität übersetzen. Am 14. November 2003 fand in Amsterdam der erste Schachboxkampf der Geschichte statt: Iepe „The Joker“ siegte gegen Luis „The Lawyer“.

Vorzeigeathleten: Rubingh ist Präsident der WCBO, der „World Chess Boxing Organisation“ und gleichzeitig amtierender Weltmeister im Mittelgewicht und Urvater des Schachboxens. „Zu viele Titel“, wie er selber lachend zugibt.

Größter Moment: Rucksackhersteller Eastpak sponsort im Sommer 2008 eine Schachbox-Tour durch deutsche Großstädte und lässt Nachwuchstalente in einem „Trainingslager-Apartment im Trendbezirk Berlin-Mitte“ wohnen. Die dort noch einem, zweiten Trendsport nachgehen müssen: Videobloggen.

Schlagzeilen: „Von wegen weiche Birne“ (FTD), „Denken und dreschen“ (FR), „Grips und Haue“, „Die Königs-Kämpfer“ (beide Berliner Zeitung), „Matt nach elf Runden“ (Spiegel), „Erst denken, dann schlagen“ (SZ, taz), „Fäuste für ein Halleluja“ (SZ)

Polylux berichtete: ja

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„Ich habe schon viele Leichen gesehen“ – Interview mit CNN-Moderator Anderson Cooper

Verfasst von christophkoch am 19. August 2008

Anderson Cooper, 41, ist einer der bekanntesten Journalisten der USA und moderiert bei CNN „Anderson Cooper 360 °“. Er wurde bereits als Baby für „Harper’s Bazaar“ fotografiert. Nach seiner Karriere als Model studierte der Sohn von Gloria Vanderbilt in Yale und machte sich mit Berichten aus Krisengebieten einen Namen.

Mr. Cooper, im aktuellen US-Wahlkampf haben Sie die sogenannten „YouTube-Debatten“ für CNN moderiert. Dort konnten die Wähler Fragen an die Kandidaten stellen, indem sie kleine Filme bei der Internetplattform YouTube hochladen.

Es ist ein wahnsinnig interessantes Format. Es ändert die Art der Debatte komplett und bringt neue Energie in den althergebrachten Schlagabtausch der Argumente. Es erzeugt außerdem ein Maß an Intimität und Direktheit, das vorher nicht möglich war. Das halte ich für sehr gut. Man braucht allerdings jemanden vor Ort, der nachhakt. Denn die Kandidaten sind bekanntlich sehr gut darin, die Fragen so zu beantworten, wie sie sie beantworten wollen – und nicht so, wie sie gestellt waren.

Da kamen Sie ins Spiel?

Ja, meine Aufgabe ist, aus den Fragen eine angeregte Diskussion entstehen zu lassen. Ideal wäre es, wenn die Leute die Nachfragen ebenfalls von zu Hause über das Internet stellen könnten. Eines Tages wird das auch passieren.

Wie unterscheiden sich die YouTube-Fragen von dem, was ein Journalist fragen würde?

Wenn wir Journalisten Fragen stellen, werden sie oft sehr lang. Wir wollen klug wirken. Die Fragen, die die Leute über YouTube einsenden, sind viel persönlicher. Die Menschen sind meist unmittelbar von dem betroffen, wonach sie fragen. Die persönliche Dringlichkeit einer Frage, die eine Familie vor ihrer Webcam aufgenommen hat, oder eine Mutter, deren Sohn im Irak stationiert ist – sowas bekommt ein Moderator nur sehr schwer hin.

Anderson Cooper.

Moderierte die YouTube-Debates mit Zuschauerfragen auf CNN: Anderson Cooper.

Kommt das amerikanische Wahlsystem mit den endlosen Vorwahlen und dem langen Wahlkampf der beiden Hauptkandidaten einem Nachrichtensender wie CNN nicht generell sehr gelegen? Sie müssen ja jeden Tag 24 Stunden Programm füllen …

Das ist sicherlich richtig. Man verbringt als Journalist oft viel Zeit damit, über die Rivalitäten zu schreiben. Man ist oft mehr in die tagtäglichen Streitereien verwickelt als in die wirklich wichtigen Kernthemen. Aber ich denke, dieser Wahlkampf ist lang genug und es gibt genügend Debatten, so dass niemand sagen kann, er wisse nicht, wofür die Kandidaten wirklich stünden. Eine andere Gefahr ist natürlich, dass manche Menschen das Thema leid sein könnten, wenn Ende des Jahres die Wahl tatsächlich ansteht. Auch deshalb versuchen wir uns, so gut es geht, auf die inhaltlichen Fragen zu konzentrieren und uns nicht in den Kleinigkeiten des Wahlkampfalltags zu verlieren. Der CNN-Chef Jonathan Klein hat als Devise für unsere Wahlkampfberichterstattung ausgegeben: „Lasst die Kandidaten reden, nicht die Experten und Analysten.“

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Zum 50. Geburtstag: Madonna von A bis Z

Verfasst von christophkoch am 14. August 2008

Am 16. August feiert sie ihren 50. Geburtstag. Happy Birthday, Madonna Louise Veronica Ciccone!

AUTORIN

Neben ihrer Arbeit als Sängerin und Schauspielerin hat Madonna fünf Kinderbücher geschrieben. „Die Englischen Rosen“, „Die Abenteuer von Abdi“, „Billie Bargeld“, „Jakov und die sieben Räuber“ und „Mister Peabodys Äpfel“ behandeln Themen wie Maßlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Vergebung oder Bescheidenheit.

BREAKFAST CLUB

Im New York der späten 70er Jahre gegründete Pop-Band, in der Madonna Anfang der 80er eine Weile Schlagzeug spielte und gelegentlich sang – wenn ihr damaliger Freund und Gitarrist der Band Dan Gilroy ihr das Mikro überließ. Nach einiger Zeit verließ Madonna Mann und Band und schloß sich kurz der Band „Emmy“ an, bevor sie 1983 ihr erstes Solo-Album veröffentlichte.

Das aktuelle Madonna-Album

Hard Candy: Das aktuelle Madonna-Album

CICCONE

Offiziell heißt die Sängerin Madonna Louise Veronica Ciccone und wuchs in der Nähe von Detroit, Michigan, auf. Ihr Vater, der italienischstämmige Silvio „Tony“ P. Ciccone arbeitete dort für Chrysler/General Motors, ihre Mutter – die Frankokanadierin Madonna Louise – starb 1963 im Alter von 30 Jahren an Brustkrebs. Madonna, das dritte von insgesamt sechs Ciccone-Kindern, war damals erst fünf Jahre alt. Ihre Geschwister haben mit Martin, Anthony, Christopher, Paula und Melanie vergleichsweise normale Vornamen abbekommen.

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