Christoph Koch

Wollt grad sagen.

Mit ‘Afghanistan’ verschlagwortete Einträge

War Games – Die amerikanische Kriegsindustrie kopiert Computerspiele

Verfasst von christophkoch am 28. November 2008

Bisher diente der reale Krieg als Vorlage für Computerspiele – ab jetzt ist es umgekehrt.

Der amerikanische Waffenhersteller Raytheon hat das sogenannte »Universal Control System« entwickelt – eine neue Steuerungseinheit für Militärdrohnen. Bisher waren diese unbemannten Miniflugzeuge über Tastatur nur sehr mühsam zu steuern, die Ausbildung kostspielig. Die Firma heuerte darum Spieleentwickler an und verwendet für die neue Benutzeroberfläche teilweise dieselbe Hardware, die in der Xbox oder der Wii zum Einsatz kommt.

Das "Universal Control System" beim Probeeinsatz.

Bis der Joystick glüht: Das"Universal Control System" beim Probeeinsatz.

Während die Drohnen dann über Irak oder Afghanistan eine feindliche Stellung mit Raketen befeuern, sitzt der Pilot in der Nähe von Las Vegas in einem laut Raytheon »ergonomischen Ledersitz« mit »verstellbaren Arm und Fußstützen«. Von Getränkehaltern ist nicht die Rede, über raschen würde es einen jedoch nicht. Schneller Anflug, präzises Anvisieren, im richtigen Moment den Feuerknopf drücken – auf ins nächste Level. Und während auf der einen Seite der Krieg sauberer und virtueller wird und aussieht wie die Mission eines Playstation- Shooters, bleiben die Explosion und die Toten am anderen Ende der Raketenflugbahn real.

Text: Christoph Koch
Erschienen in: NEON
Foto: Raytheon

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Die Bundeswehr von A bis Z

Verfasst von christophkoch am 27. Mai 2007

Die deutsche Sicherheit beginnt bekanntlich schon am Hindukusch und für die Jungs gleich nach dem Abitur. Alles über unsere tolle Truppe von A bis Z.

A fghanistan: 3156 deutsche Soldatinnen und Soldaten beteiligen sich am ISAF-Einsatz in Afghanistan und Usbekistan – das ist mehr als ein Drittel aller im Ausland eingesetzten Bundeswehrtruppen. Die internationale ISAF-Truppe (International Security Assistance Force) wurde 2001 nach dem Sturz des Taliban-Regimes aufgestellt und soll im Auftrag der Vereinten Nationen »die afghanische Regierung bei der Wahrung der Menschenrechte sowie bei der Herstellung der inneren Sicherheit unterstützen. « 18 der insgesamt 65 deutschen Soldaten, die bisher bei Auslandseinsätzen ums Leben kamen, sind am Hindukusch gestorben. Die Bundeswehr kämpft dort offiziell nicht gegen das Terrornetzwerk Al Kaida oder die Taliban – das ist Aufgabe der Operation »Enduring Freedom«, an der die deutsche Marine mit rund 300 Mann am Horn von Afrika beteiligt ist.

B erufsarmee: Seit es die Bundeswehr gibt, werden die Modelle Wehrpflicht- und Berufsarmee gegeneinander abgewogen. Die Vorteile einer Berufsarmee, wie sie beispielsweise die USA (seit dem Vietnamkrieg) oder Frankreich (seit 2001) besitzen, sind eine höhere Professionalität und bessere Ausbildung sowie damit verbundene Truppen- und Kostenreduzierung. Kritiker befürchten hingegen, dass eine Berufsarmee schneller und unbesonnener eingesetzt werden könnte als eine Wehrpflichtigenarmee. Außerdem könnte sich eine Berufsarmee stärker nach außen ab – schotten und sich wie ein »Staat im Staat« der Kontrolle durch Gesellschaft und Politik entziehen. Die Bundeswehr besteht derzeit etwa zu einem Drittel aus Berufssoldaten, einem Drittel aus Freiwilligen und einem Drittel aus Wehrpflichtigen.

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n.A.T.o. – Sind so schöne Augen

Verfasst von christophkoch am 20. Dezember 2005

Schwarze Witwe statt Schulmädchen: Der neue Pop-Schocker des „t.A.T.u.“-Erfinders

Ivan Shapovalov ist kein Mann vieler Worte. Der russische Musikproduzent, der als Erfinder des Popduos t.A.T.u. weltberühmt wurde, antwortet auf die Interviewanfrage per E-Mail nur mit einer Telefonnummer und dem Satz: „It is possible.“ Auf die Rückfrage, wann man ihn am besten erreichen könne, kommt wieder nur eine Zeile: „Any time.“ Als er dann endlich abnimmt, bittet er, eine Stunde später noch mal anzurufen. Nach 55 Minuten eine neue Mail: „Call now :)“. Da ist tatsächlich ein Smiley.

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Ivan Shapovalov, das ist – der neue Malcolm McLaren. Der hatte Ende der siebziger Jahre die Welt in Rage versetzt, weil er eine Band namens Sex Pistols in Hakenkreuz-Shirts über die Queen, Bergen-Belsen und Anarchie singen ließ. Das würde heute nur noch begrenzt schocken, weil es als Pop-Strategie erkennbar wäre. Shapovalov hat trotzdem etwas ähnliches wie einst McLaren geschafft. Mit zwei jungen Mädchen in Schuluniformen – die sich innig küssten.

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Wie wird man eigentlich … General, Herr Schelzig?

Verfasst von christophkoch am 27. Juni 2005

Kurzzeitig wollte er es auch mal im Profifußball versuchen. Aber dann wurde Peter Schelzig 2003 mit 48 Jahren zum jüngsten General der Bundeswehr. Seit 1. März ist er nur noch der zweitjüngste, „aber irgendwann ist ja alles mal vorbei“, wie er selbst sagt.

General Peter Schelzig

Nicht mehr lang der Jüngste: General Peter Schelzig

Während der Schulzeit habe ich nie daran gedacht, als Berufssoldat zur Bundeswehr zu gehen. Ich habe statt dessen mit dem Gedanken gespielt, Fußballer zu werden und war auch mal bei einem Probetraining bei 1860 München. Aber die Chancen, dort jemals wirklich zur Mannschaft zu gehören, waren mir zu vage. Erst als ich von den damals neugegründeten Bundeswehrhochschulen erfuhr, kam mir die Idee, eine Offizierslaufbahn einzuschlagen. Denn ich wollte studieren, das Geld war knapp, zum Wehrdienst mußte ich sowieso – es war also eine ziemlich rationale Entscheidung. Der Entschluß, ausgerechnet zur Luftwaffe zu gehen, kam jedoch eher aus dem Bauch. Das erschien mir attraktiver als Heer oder Marine. Nein, da gab es für mich keine Frage: Luftwaffe mußte es schon sein.

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„Ich finde es nicht provokant, wenn sich zwei junge Mädchen auf der Bühne küssen“ – Interview mit dem Erfinder von t.A.T.u. und n.A.T.o.

Verfasst von christophkoch am 30. November 2004

Ivan Shapovalov brachte uns im letzten Jahr t.A.T.u., zwei küssende Mädchen in Schuluniformen, sein neuer Streich heißt n.A.T.o. – und benutzt als Tabuthema nicht Pädophilie, sondern islamistischen Terrorismus.

Das Video zu ›Chor Javon‹, der ersten Single von n.A.T.o., kursiert bereits im Internet und wurde an Majorlabels in aller Welt geschickt. Es zeigt ein verschleiertes Mädchen, das statt Schuluniform eine schwarze Burkha trägt, die sie aussehen lässt wie eine »schwarze Witwe« – die Selbstmordattentäterinnen, die Russland derzeit in Atem halten. Ihr Gesicht wird in verschiedene Nachrichtensendungen hineingeschnitten, Worte wie »Al-Qaida«, »Oil« und »Terrorism« werden eingeblendet. In einer Szene sieht es tatsächlich so aus, als würde sich die Sängerin in die Luft sprengen. Die Musik dazu: wehmütiger arabischer Gesang über dicke, krachende Beats, wie man sie von t.A.T.u.-Songs wie ›They’re Not Gonna Get Us‹ oder ›All The Things She Said‹ kennt – Hitpotenzial für die Dancefloors von Wladiwostok bis Frankfurt also durchaus vorhanden. Ein Anruf bei Ivan Shapovalov, dem brillanten Pop-Impresario – er klingt Valium-satt, spricht in kurzen, abgehackten Sätzen, rollt das R, wie es sich für Männer des Ostens gehört.

Text

"Die Musik von n.A.T.o. wird den Menschen helfen, ihre Angst zu verlieren." - Szene aus "Chor Javon"

Sie werden manchmal mit Malcolm McLaren, dem Erfinder der Sex Pistols, verglichen. Für ein englisches Magazin haben Sie einmal ein Gespräch mit ihm geführt. Konnten Sie dabei gewisse Ähnlichkeiten feststellen?
Wir haben uns gut verstanden, aber ich vergleiche nicht – weder mich noch andere. Solche Vergleiche sagen meist mehr über die Leute aus, die sie anstellen, als über die, die verglichen werden. Fragen Sie besser die Leute, die sich solche Vergleiche ausdenken.

Wann haben Sie aufgehört, mit t.A.T.u. zusammenzuarbeiten?
Ich weiß nicht mehr genau, wann das war. Aber für mich war es auch nie Arbeit. So etwas ist nie Arbeit.

Was ist es dann?
Es ist mein Leben.

Also gut – wann haben Sie aufgehört, mit t.A.T.u. zu leben?
Ich habe nicht aufgehört. Die Mädchen haben aufgehört.

Haben Sie noch Kontakt zu ihnen?
Ich höre von ihnen aus den Medien, aber wir haben keinen persönlichen Kontakt mehr.

Was haben Sie gedacht, als die beiden öffentlich gemacht haben, dass sie gar nicht lesbisch sind und eine von ihnen sogar schwanger wurde?
Ich habe nie behauptet, dass die beiden lesbisch sind – das war bloß das Medienimage. Für mich war es immer ein Phänomen, das man oft zwischen Mädchen beobachten kann: eine sehr enge Freundschaft, die irgendwann zu Liebe wird.

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