Anderson Cooper, 41, ist einer der bekanntesten Journalisten der USA und moderiert bei CNN „Anderson Cooper 360 °“. Er wurde bereits als Baby für „Harper’s Bazaar“ fotografiert. Nach seiner Karriere als Model studierte der Sohn von Gloria Vanderbilt in Yale und machte sich mit Berichten aus Krisengebieten einen Namen.
Mr. Cooper, im aktuellen US-Wahlkampf haben Sie die sogenannten „YouTube-Debatten“ für CNN moderiert. Dort konnten die Wähler Fragen an die Kandidaten stellen, indem sie kleine Filme bei der Internetplattform YouTube hochladen.
Es ist ein wahnsinnig interessantes Format. Es ändert die Art der Debatte komplett und bringt neue Energie in den althergebrachten Schlagabtausch der Argumente. Es erzeugt außerdem ein Maß an Intimität und Direktheit, das vorher nicht möglich war. Das halte ich für sehr gut. Man braucht allerdings jemanden vor Ort, der nachhakt. Denn die Kandidaten sind bekanntlich sehr gut darin, die Fragen so zu beantworten, wie sie sie beantworten wollen – und nicht so, wie sie gestellt waren.
Da kamen Sie ins Spiel?
Ja, meine Aufgabe ist, aus den Fragen eine angeregte Diskussion entstehen zu lassen. Ideal wäre es, wenn die Leute die Nachfragen ebenfalls von zu Hause über das Internet stellen könnten. Eines Tages wird das auch passieren.
Wie unterscheiden sich die YouTube-Fragen von dem, was ein Journalist fragen würde?
Wenn wir Journalisten Fragen stellen, werden sie oft sehr lang. Wir wollen klug wirken. Die Fragen, die die Leute über YouTube einsenden, sind viel persönlicher. Die Menschen sind meist unmittelbar von dem betroffen, wonach sie fragen. Die persönliche Dringlichkeit einer Frage, die eine Familie vor ihrer Webcam aufgenommen hat, oder eine Mutter, deren Sohn im Irak stationiert ist – sowas bekommt ein Moderator nur sehr schwer hin.

Moderierte die YouTube-Debates mit Zuschauerfragen auf CNN: Anderson Cooper.
Kommt das amerikanische Wahlsystem mit den endlosen Vorwahlen und dem langen Wahlkampf der beiden Hauptkandidaten einem Nachrichtensender wie CNN nicht generell sehr gelegen? Sie müssen ja jeden Tag 24 Stunden Programm füllen …
Das ist sicherlich richtig. Man verbringt als Journalist oft viel Zeit damit, über die Rivalitäten zu schreiben. Man ist oft mehr in die tagtäglichen Streitereien verwickelt als in die wirklich wichtigen Kernthemen. Aber ich denke, dieser Wahlkampf ist lang genug und es gibt genügend Debatten, so dass niemand sagen kann, er wisse nicht, wofür die Kandidaten wirklich stünden. Eine andere Gefahr ist natürlich, dass manche Menschen das Thema leid sein könnten, wenn Ende des Jahres die Wahl tatsächlich ansteht. Auch deshalb versuchen wir uns, so gut es geht, auf die inhaltlichen Fragen zu konzentrieren und uns nicht in den Kleinigkeiten des Wahlkampfalltags zu verlieren. Der CNN-Chef Jonathan Klein hat als Devise für unsere Wahlkampfberichterstattung ausgegeben: „Lasst die Kandidaten reden, nicht die Experten und Analysten.“
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