Mit ‘Drogen’ verschlagwortete Einträge
Verfasst von christophkoch am 13. Februar 2008
Auf dem letzten Album der kanadischen Breitwand-Romantiker von den Stars hieß es noch „Your Ex-Lover Is Dead“ und auch das neue Werk spielt im Schlafzimmer: „In Our Bedroom After The War“. Zeit für ein Interview mit dem Sänger Torquil Campbell über Liebe, Sex und Zärtlichkeit.
Auch wenn Eure Texte – gemessen an beispielsweise Hiphop-Lyrics – nie wahnsinnig explizit sind: Ihr macht sehr sexuelle Musik, oder?
Ja, auf jeden Fall. Danke! Ich hoffe sehr, dass wir sexuelle Platten machen. Meine liebsten Pop-Alben handeln auf die eine oder andere Art von Sex.

Was war noch mal so wichtig an Sex?
Er kann Dinge erschaffen und zerstören. Es kann ein Kind daraus entstehen oder er kann eine Beziehung vernichten. Es ist die eine Sache, die wir alle gemeinsam haben, die so unglaublich dramatisch und lebendig ist. Sex liefert guten Stoff für Geschichten, für menschliche Emotionen und für deshalb auch für Popsongs. Ich bin dieser weiße Typ ohne musikalisches Talent, der Soulplatten machen will (lacht) – was bleibt mir anderes übrig als über Sex zu singen?
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Verfasst von christophkoch am 31. Januar 2008
Warum wir nicht aufhören können, über Pete Doherty zu reden – obwohl dieser womöglich nur eine Erfindung ist
Die Pete-Doherty-Uhr muss Mitte 2005 ihren Weg in die Redaktionsstuben weltweit gefunden haben. Seither müssen eigens dafür beschäftigte Praktikanten mehrmals am Tag die Zeiger der Uhr so umstellen, dass sie den gegenwärtigen Zustand des Babyshambles-Sängers korrekt wiedergeben: „inhaftiert / nicht inhaftiert“, „von Kate Moss getrennt / mit ihr zusammen“ oder „clean / beim Crackrauchen gefilmt“ – so lauten die unterschiedlichen Parameter, die sich gerne auch mehrmals täglich ändern können. Ein bisschen sieht das Ganze aus, wie die Scheibe, die in altmodischen WG-Küchen anzeigt, wer gerade Spüldienst hat. Redaktionen, die zunächst glaubten, auf eine solche Pete-Doherty-Uhr verzichten zu können, wurden alsbald dadurch bestraft, dass sie den Überblick über die Eskapaden der „Skandalnudel“ (Visions) völlig verloren und ihren Lesern stets veraltete Informationen aus den britischen Boulevardblättern abschrieben.

Doch woher kommt es, dass wir uns alle – vom loyalen Fan Dohertys erster Band Libertines bis zum an Musik völlig Desinteressierten – fesseln lassen vom Schicksal des jungen Mannes mit den traurigen Augen? Nach Neuigkeiten aus seinem Leben zwischen Konzertbühne und Gerichtssaal gieren? Das Geheimnis von Pete Doherty ist, dass er jedem Betrachter eine eigene Projektionsfläche bietet. Der Musikfan kann darüber wehklagen, dass einer der brillantesten Songschreiber der Gegenwart sein Leben den Gulli hinunterspritzt – beziehungsweise von der bösen Presse auf ein amüsantes Drogenwrack-Spektakel reduziert wird. Freunde des Promi-Tratsches können stundenlang darüber philosophieren, was die „Skandalnudel“ (Berliner Morgenpost) und Kate Moss aneinander finden, wer mehr von den gemeinsam gemachten Schlagzeilen profitiert und wer mehr unter der letzten Trennung gelitten hat. Mode-Aficionados diskutieren erregt den Einfluss von Dohertys Stil auf die neue Kollektion von Hedi-Slimane und die Qualität der Designs, die die „Skandalnudel“ (Die Zeit) für das britische Kultlabel Gio-Goi entworfen hat. Und die aufrechten Feinde der Boulevardisierung und Celebrity-Hörigkeit der Medienlandschaft werden geeint in ihrem Hass auf diese „männliche Paris Hilton“, der sie jedes Recht absprechen, überhaupt im Rampenlicht zu stehen: „Der nervt doch nur, dieser Typ“.
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Verfasst von christophkoch am 29. Mai 2007
Erinnerungen an die Anfangstage des Berliner Techno
Am 24. Mai öffnet der legendäre Techno-Club Tresor wieder seine Stahlpforten – in einer neuen Location an der Köpenicker Straße. Eine gute Gelegenheit, sich zu erinnern, wie vor beinahe 20 Jahren Techno begann. Wie war es in den ersten Jahren im alten Tresor in der Leipziger Straße? Im Walfisch, im Bunker und im UFO? Wie war das mit Ost und West, mit den Polizisten, den Drogen und dem Sex? Drei Macher, die von Anfang an dabei waren, erinnern sich.
Der Tresor
Jeder, der zum ersten Mal in den Tresor kam, sagte: Das ist der Ort! Die Rohheit dieses Kellers war der perfekte Rahmen. Das war keine Disco, in die man ein paar Tarnnetze gehängt hatte. Es war die Definition von Techno. Als Underground Resistance im Tresor auftraten, waren die geflasht, plötzlich in einer Stadt angekommen zu sein, für die sie ihre Musik geschrieben hatten. Das war eine perfekte Symbiose. In Detroit wurde die Musik gemacht, aber gelebt wurde sie im Tresor. Das war der richtige Ort zur richtigen Zeit. Die Frankfurter haben immer vom Dorian Gray geschwärmt. Als ich Mitte der 90er zum ersten Mal mit großen Erwartungen dort war, war ich sehr enttäuscht: dass sah aus wie eine Dorfdisco mit integrierter Pizzeria. Im Gegensatz dazu war das Omen für mich ein Club, der zur Legendenbildung taugte.
Mijk van Dijk
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Verfasst von christophkoch am 28. Februar 2007
Unionspolitiker wollen die Heroinabgabe an Schwerstabhängige einstellen.
Die Experten sind sich erstaunlich einig: Das Modellprojekt, in sieben deutschen Städten synthetisches Heroin unter ärztlicher Aufsicht an Abhängige auszugeben, ist ein klarer Erfolg. Von München bis Hamburg setzten sich alle beteiligten Kommunen für eine Verlängerung des Ende Juni auslaufenden Projekts ein. Die Fachwelt bewertet es einhellig als gesundheits- und sozialpolitisch erfolgreich. Viele Süchtige fänden den Weg zurück in ein drogenfreies Leben – selbst die anfangs skeptischen Anwohner der Ausgabestellen berichteten über keinerlei Probleme. Alles bestens? Leider nicht.
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Veröffentlicht in Neon | Verschlagwortet mit : Abhängige, Ärzte, Berlin, Bundestag, CDU, Diamorphin, Drogen, Hamburg, Hannover, Heroin, München, Methadon, Neon, Projekt | Kommentar schreiben »
Verfasst von christophkoch am 16. November 2005
Auf der Suche nach Pete Doherty, von den einen als größter Musiker seiner Generation verehrt, von anderen als dümmlicher Junkie im Schlepptau von Kate Moss verachtet.
Junge trifft Jungen. Sie gründen die Libertines, „die beste Band ihrer Generation“ (NME). Band trinkt viel und nimmt Drogen, Junge nimmt immer am meisten. Junge fliegt aus der Band, Junge bricht bei Band-Freund ein, um Heroinsucht zu finanzieren. Junge geht ins Gefängnis. Junge und Band söhnen sich wieder aus. Band nimmt zweites Album auf. Bodyguards verhindern Prügeleien und Crackhead-Besuche im Studio. Junge versucht Entziehungskuren – bricht alle ab. Band wirft Jungen endgültig raus, Junge trifft neue Band: die Babyshambles. Junge trifft Mädchen: Kate Moss. Band gilt als unfähige Chaostruppe, Mädchen wird im Studio beim Koksen gefilmt. Mädchen trennt sich von Junge, Menschen schließen Wetten ab, wie lange Junge noch lebt. In die Ecke getrieben, tritt Junge nach Welt aus. Welt tritt zurück – mit einem Mal beschissen viel härter.

Gegen die Welt, gegen den Strich
Es ist schwer, derzeit an die Babyshambles heranzukommen. Ein Interview in London im Rahmen eines Konzerts in der Brixton Academy wird kurzfristig abgesagt. Niemand weiß, wo Pete ist. Das einzige Lebenszeichen seiner Musiker besteht aus „This is Drew’s phone“-Mailboxansagen. Irgendwann steht dann doch eine Verbindung in ein turbulentes Pub irgendwo in East London. „Es ist alles gerade sehr schwierig und chaotisch“, erklärt Babyshambles-Bassist Drew McConnell. „Wir haben keinen Manager mehr. Unser Gitarrist Patrick fliegt gerade aus seinem Haus raus. Pete will zu Kate zurück, aber er darf sie nicht sehen. Vielleicht, wenn sie wieder in England ist …“ Kurz begrüßt er ein neues Gesicht am Tisch, dann ist er wieder bei der Sache. Erzählt von ihren Instrumenten, die die Polizei seit geraumer Zeit beschlagnahmt hält: „Es ist zum Kotzen. Wir spielten ein Konzert in einem Pub. Kate war auch da, es war ein toller Abend. Zwei Stunden nach dem Konzert saßen wir noch herum und feierten, als die Polizei erklärte, es habe Beschwerden über zu viel Lärm gegeben, und alle Instrumente konfiszierte. Ich war sieben Mal auf der Polizeiwache und wollte die Ausrüstung abholen, aber sie rücken sie nicht raus. Jedes Mal sagen sie mir, der zuständige Beamte sei gerade nicht da.“
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Veröffentlicht in Intro | Verschlagwortet mit : Albion, Babyshambles, Boulevard, Brixton Academy, Celebrities, Crack, Drew McConnell, Drogen, Geoff Travis, Ian Blair, Kate Moss, Libertines, Mick Jones, Pete Doherty, Pop, Prominente, Rough Trade, Sänger, Scotland Yard, Skandal, The Clash | Kommentar schreiben »
Verfasst von christophkoch am 12. September 2005
Wie der Indiepopstar Jens Friebe einmal fast ein Musikmagazin ruiniert hätte
Der Berliner Songwriter Jens Friebe hat gerade sein zweites Album „In Hypnose“ veröffentlicht. Er gilt vielen als eine Art Lichtgestalt der deutschen Popkultur.
Du hast eine Weile als Musikjournalist gearbeitet und sogar einen Song darüber. geschrieben – „10 000 Zeichen“. Wie waren deine Erfahrungen?
Mir ist das Schreiben anfangs sehr schwer gefallen und ich habe wahnsinnig lang für einen Artikel gebraucht. Das zu überwinden, war eine gute Erfahrung.
Was hat dich genervt?
Was mich sehr frustriert hat, war die Tatsache, dass sich ein Artikel, wenn ich total begeistert war, nachher trotzdem immer noch genauso las wie einer über eine mittelgute Band. Man hat alle Superlative schon verbraucht und die Steigerung nach oben ist dann wie vernagelt.

Immerhin hast du es geschafft, das Musikmagazin Intro kurzzeitig in ernste Schwierigkeiten zu bringen . . .
Ich habe eine Gorillaz-Rezension mit dem Satz „Sofort brennen!“ beendet, worauf die Musikindustrie geschlossen auf die Barrikaden gegangen ist und zeitweise alle Anzeigen storniert hat. Da lagen die Nerven extrem blank. Ich hatte das unter dem Pseudonym Samuel Zöllner geschrieben. Gar nicht wegen des Satzes, sondern weil ich die Rezension insgesamt nicht so toll fand. Der Intro-Herausgeber fragte in der Redaktion an, ob man den denn nicht rauswerfen könnte.
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Veröffentlicht in Süddeutsche | Verschlagwortet mit : Drogen, Exzess, Friebe, Gunter Sachs, Hedonismus, Indie, Interview, Intro, Journalismus, Metrosexuell, Musikbranche, Musikjournalist, Musikmagazin, Nachtleben, Playboy, Pop, Revolution, Rezension, Rocko Schamoni, Song, taz, Vegetarismus | Kommentar schreiben »