Mit ‘Interview’ verschlagwortete Einträge
Verfasst von christophkoch am 25. März 2009
Relativ unerträglich ist es ja auch, wie sich ProSieben-Gagschreiber Ralf Husmann im Zuge seiner neuen Comedy „Der kleine Mann“ überall einmal mehr als „der echt mal obereinfallsreiche Stromberg-Erfinder“ feiern lässt. Denn jeder, der die BBC-Serie „The Office“ kennt, weiß: Schamloser als Husmann und ProSieben kann man nicht klauen. Sehr angenehm und souverän dagegen, dass diese Dreistigkeit dem „einzig wahren Stromberg-Erfinder“ Ricky Gervais im NEON-Interview nur einen knappen (allerdings sehr guten) Witz wert ist.
Die Show läuft in einem halben Dutzend Ländern. Von Frankreich bis Brasilien. Nur die Deutschen wollen nicht bezahlen. Die haben das Format einfach geklaut. Seltsam. Es ist eigentlich nicht die Art der Deutschen, sich etwas zu nehmen, was ihnen nicht gehört.
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Verfasst von christophkoch am 3. März 2009
Warum fallen uns ENTSCHEIDUNGEN so schwer? Und warum entscheiden wir so oft falsch? Der US-amerikanische Verhaltensforscher Richard Thaler erklärt unseren Wankelmut und spendet Trost: Dass wir uns mit klaren Ansagen so schwertun, ist nicht allein unsere Schuld.
Auf dem Weg hierher habe ich einen Kaffee gekauft. Schon die kleinste Bechergröße hieß »tall«, schien mir ein guter Deal: wenig bezahlen, was Großes bekommen. In Ihrem Buch »Nudge« – was so viel heißt wie »Stupser« – beschreiben Sie, dass wir mit genau solchen Tricks zu Handlungen oder Produkten gestupst werden.
Wenn wir uns also ausnahmsweise mal für etwas entscheiden, ist es gar nicht unsere eigene Entscheidung – wir wurden »gestupst«? Oft ist das so, ja. Aber gegen solche Stupser kann man auch immun werden. Irgendwann erscheint Ihnen der Kaffee klein, auch wenn er »tall« heißt – denn Sie sehen immer mehr Menschen mit größeren Kaffeebechern herum laufen. Die kleinsten Eier, die man in USSupermärkten kaufen kann, tragen die Bezeichnung »groß«. Trotzdem würde jeder Mensch sie als »eher klein« bezeichnen. Was einmal als »Nudge« funktioniert hat, muss nicht auf ewig effektiv bleiben.

Leider noch nicht auf deutsch erschienen: "Nudge"
Wie oft werde ich in einem gewöhnlichen Supermarkt gestupst – und vor allem: Wie?
Abgesehen von rowdyhaften Kunden? Oh, der Supermarkt ist voller »Nudges«. Ein wichtiger Faktor ist die Platzierung der Produkte. Firmen bezahlen dafür, dass ihre Waren auf Augenhöhe oder an besonders auffälligen Stellen platziert werden. Der Laden wiederum stupst uns dadurch, dass unser Weg durch den Markt genau vorgeplant ist – damit wir auf jeden Fall an Produkten vorbeikommen, die uns in Versuchung führen und hohe Gewinnspannen versprechen.
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Verfasst von christophkoch am 27. August 2008
Jeder kennt Zombiefreunde: Leute, mit denen man eigentlich nichts mehr zu tun haben wollte, die einen aber durch soziale Netzwerke wie Facebook, Myspace oder Xing nach Jahren wiederfinden und einem die längst verjährte Freundschaft nachtragen wie ein Hund einen besabberten Tennisball. Ein Interview mit einem der Schuldigen, die uns das alles eingebrockt haben.
Viele Menschen beschweren sich, dass sie durch Facebook von Leuten gefunden werden, mit denen sie nichts mehr zu tun haben wollten. Entschuldigt ihr euch bei denen?
Komm, so schlimm ist es doch auch nicht. Man muss ja Freundschaftsangebote nicht annehmen.
Aber dann gilt man als Snob und muss beim nächsten Klassentreffen in der Ecke sitzen.
Da gibt es einen Trick: Du kannst das Freundschaftsangebot annehmen und jene in deiner Freundesliste, die dir nicht wichtig sind, in einen Eimer schmeißen.

Einen Eimer?
Ja, ein Gefäß, das du etwa »Alte Freunde« nennst. Für jeden Eimer stellst du ein, ob sie deine Bilder sehen dürfen und die Updates in deinem Profil. Dann sehen Leute, mit denen du nichts zu tun haben willst, wenig von dem, was du auf Facebook treibst, deine echten Freunde alles. Das ist doch sehr effizient.
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Verfasst von christophkoch am 19. August 2008
Anderson Cooper, 41, ist einer der bekanntesten Journalisten der USA und moderiert bei CNN „Anderson Cooper 360 °“. Er wurde bereits als Baby für „Harper’s Bazaar“ fotografiert. Nach seiner Karriere als Model studierte der Sohn von Gloria Vanderbilt in Yale und machte sich mit Berichten aus Krisengebieten einen Namen.
Mr. Cooper, im aktuellen US-Wahlkampf haben Sie die sogenannten „YouTube-Debatten“ für CNN moderiert. Dort konnten die Wähler Fragen an die Kandidaten stellen, indem sie kleine Filme bei der Internetplattform YouTube hochladen.
Es ist ein wahnsinnig interessantes Format. Es ändert die Art der Debatte komplett und bringt neue Energie in den althergebrachten Schlagabtausch der Argumente. Es erzeugt außerdem ein Maß an Intimität und Direktheit, das vorher nicht möglich war. Das halte ich für sehr gut. Man braucht allerdings jemanden vor Ort, der nachhakt. Denn die Kandidaten sind bekanntlich sehr gut darin, die Fragen so zu beantworten, wie sie sie beantworten wollen – und nicht so, wie sie gestellt waren.
Da kamen Sie ins Spiel?
Ja, meine Aufgabe ist, aus den Fragen eine angeregte Diskussion entstehen zu lassen. Ideal wäre es, wenn die Leute die Nachfragen ebenfalls von zu Hause über das Internet stellen könnten. Eines Tages wird das auch passieren.
Wie unterscheiden sich die YouTube-Fragen von dem, was ein Journalist fragen würde?
Wenn wir Journalisten Fragen stellen, werden sie oft sehr lang. Wir wollen klug wirken. Die Fragen, die die Leute über YouTube einsenden, sind viel persönlicher. Die Menschen sind meist unmittelbar von dem betroffen, wonach sie fragen. Die persönliche Dringlichkeit einer Frage, die eine Familie vor ihrer Webcam aufgenommen hat, oder eine Mutter, deren Sohn im Irak stationiert ist – sowas bekommt ein Moderator nur sehr schwer hin.

Moderierte die YouTube-Debates mit Zuschauerfragen auf CNN: Anderson Cooper.
Kommt das amerikanische Wahlsystem mit den endlosen Vorwahlen und dem langen Wahlkampf der beiden Hauptkandidaten einem Nachrichtensender wie CNN nicht generell sehr gelegen? Sie müssen ja jeden Tag 24 Stunden Programm füllen …
Das ist sicherlich richtig. Man verbringt als Journalist oft viel Zeit damit, über die Rivalitäten zu schreiben. Man ist oft mehr in die tagtäglichen Streitereien verwickelt als in die wirklich wichtigen Kernthemen. Aber ich denke, dieser Wahlkampf ist lang genug und es gibt genügend Debatten, so dass niemand sagen kann, er wisse nicht, wofür die Kandidaten wirklich stünden. Eine andere Gefahr ist natürlich, dass manche Menschen das Thema leid sein könnten, wenn Ende des Jahres die Wahl tatsächlich ansteht. Auch deshalb versuchen wir uns, so gut es geht, auf die inhaltlichen Fragen zu konzentrieren und uns nicht in den Kleinigkeiten des Wahlkampfalltags zu verlieren. Der CNN-Chef Jonathan Klein hat als Devise für unsere Wahlkampfberichterstattung ausgegeben: „Lasst die Kandidaten reden, nicht die Experten und Analysten.“
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Verfasst von christophkoch am 6. August 2008
»Wenn Blauhelmsoldaten in Ihr Dorf kommen, um Sie zu beschützen – rennen Sie weg, so schnell Sie können!« Das sagen zwei ehemalige UN-Mitarbeiter, die lange in Krisengebieten gearbeitet haben. Im Interview erklären sie, warum humanitäre Einsätze der VEREINTEN NATIONEN regelmäßig alles noch viel schlimmer machen.
Sie waren in den schlimmsten Krisengebieten der Welt: Als Arzt, Menschenrechtsanwalt und Sekretärin arbeiteten Andrew Thomson, Kenneth Cain und Heidi Postlewait für die UN in Kambodscha, Somalia, Ruanda, Haiti, Bosnien und Liberia. Als sie nach zehn Jahren in die USA zurückkehrten, schrieben sie ein Buch über die UN, das Unfähigkeit und Hilflosigkeit anprangerte, aber auch Korruption, Gewissenlosigkeit und Verbrechen: »Emergency Sex (And Other Desperate Measures) – A True Story From Hell On Earth«. Wir sprachen mit Heidi Postlewait und Kenneth Cain.

Andrew Thompson, Heidi Postlewaite und Kenneth Cain rechnen in "Emergency Sex" mit der UN ab.
In Ihrem Buch steht der Satz: »Wenn Blauhelmsoldaten in Ihr Dorf kommen, um Sie zu beschützen – rennen Sie weg, so schnell Sie können!« Gilt dieser Rat für alle Krisenregionen dieser Welt?
Ken: Dieser Satz bringt die Tragödie, die wir in zehn Jahren Arbeit bei der UN erlebt haben, auf den Punkt. Und ja, er gilt noch …
Heidi: … sogar mehr als zuvor. Nach dem Völkermord in Ruanda sagte KofiAnnan, so etwas werde nie wieder passieren. Aber in Darfur werden gerade jetzt wieder Menschen abgeschlachtet, weil sich die internationale Gemeinschaft nicht dazu durchringen kann, mit Gewalt einzugreifen. Wenn Kofi Annan vor der Katastrophe in Ruanda angedroht hätte zurückzutreten, hätte das die Welt verändert. Aber er war – wie fast alle Menschen in der UN – nur auf seine Karriere bedacht.
In Burma ist zu sehen, wie hilflos die UN im Ernstfall sein kann. Erinnern Sie die Bilder von beschlagnahmten Hilfslieferungen an eigene Einsätze?
Heidi: Vieles davon ist auch in Somalia passiert. Ich sah ständig Reissäcke von Hilfsorganisationen, die auf der Straße verkauft wurden – oft genug, um mit den Erlösen Waffen zu beschaffen. Ich möchte aber nicht dafür plädieren, die UN zu einem Armeeapparat umzufunktionieren, der ausschließlich mit militärischer Präsenz für Ruhe sorgt.
Ken: Aber der Bullshit der »stillen Diplomatie« hilft auch nicht. Wer glaubt noch an dieses Konzept? Wann bekommt die internationale Staatengemeinschaft endlich ihren Hintern hoch und greift etwa in Simbabwe ein? Warum sagt niemand: Moment mal, das ist ein grauenhaftes Regime, das die Menschen unterdrückt – und wenn wir nicht endlich etwas tun, werden tausende sterben müssen?
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Verfasst von christophkoch am 5. Juni 2008
Drei Jungen in Mississippi fassten 1982 einen Plan: Sie wollten „Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes” zu Hause nachdrehen – Szene für Szene, Einstellung für Einstellung. Sieben Jahre später waren sie fertig, der Film verstaubte danach in ihren Regalen. Inzwischen hat er eine Fangemeinde, zu der auch Regisseur Steven Spielberg zählt.
Wer von euch hatte die Idee für dieses Wahnsinnsunternehmen?
Chris Strompolos: Es war meine Idee. Ich war zehn und hatte gerade „Jäger des verlorenen Schatzes” gesehen. Ich wollte Indiana Jones sein – alles geschah nur aus Liebe zu diesem Film.
Eric Zala: Ich lernte Chris im Schulbus kennen, weil ich mir ein „Indiana-Jones”Comic von ihm auslieh. Als ich ihm sagte, dass ich den Film mag, merkte ich, dass er mich sofort leiden konnte. Später rief er mich an und schlug vor, den Film nachzudrehen. Ich wusste damals noch nichts von dem, was auf mich zukam. Jayson kam dazu, als wir für die erste Szene eine verweste Leiche brauchten.
Jayson Lamb: Ich hatte für eine Halloweenparty unser Klassenzimmer in eine Geisterbahn verwandelt. Also wussten die beiden, dass ich gruselige Masken herstellen konnte – und ich war an Bord.

Brothers In Arms: Eric, Chris und Jayson (von links) im Jahr 1988, am Ende der Dreharbeiten zu ihrem Remake von „Indiana Jones”.
Wann habt Ihr gedreht, nach der Schule?
Eric: Wir haben in den Sommerferien jeweils drei Monate gedreht. Während des Schuljahrs haben wir am Set herumgebaut, Kostüme gemacht und so weiter.
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Verfasst von christophkoch am 17. Mai 2008
Album-Charts, Tagesthemen, ausverkaufte Tourneen – klammheimlich wurde aus Kettcar, die vor zwei Alben auf dem selbstgegründeten Indielabel Grand Hotel Van Cleef als Geheimtipp gehandelt wurden, eine der wichtigsten deutschen Bands. Jetzt kommen sie wieder – und benennen ihr Album nach der wichtigsten deutschen Insel. Kann das gutgehen? Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch über den Sylt-Reflex, seine Liebe zu Hamburg und den schönsten Ort Berlins, ach Quatsch: der Welt.
Ihr neues Album heißt „Sylt“ – soll jetzt nach den Indiekids aus dem Schanzenviertel die Jeunesse Dorée von Westerland erobert werden?
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass wir uns bei dem Namen „Sylt“ viel weniger gedacht haben, als da jetzt hineininterpretiert wird. Wir wollten nach „Du und wie viel von Deinen Freunden“ und „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ einen möglichst kurzen und verstörenden Titel haben. Und dann kam Reimer eben mit „Sylt“ um die Ecke.
Was ein sehr aufgeladener Name ist…
Das stimmt, es gibt niemanden, der nichts denkt, wenn er dieses Wort hört. Ich denke zum Beispiel an prolligen Reichtum. Sie denken vielleicht an eine schöne Insel. Ein anderer denkt an das Meer, das jedes Jahr ein Stück von der Insel wegfrisst, an ein modernes Atlantis. Aber das hat alles nichts mit dem Album zu tun.

Schade. Keine Songs darüber, wie man mit dem Porsche bei Gosch vorfährt.
Wir wollten Songs schreiben über neoliberale Zumutungen und Zustände, die gerade besonders viele Leute angehen. Uns war schnell klar, dass wir eine Platte machen wollten, die nicht einverstanden ist.
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Veröffentlicht in zitty | Verschlagwortet mit : Album, Berlin, Graceland, Grand Hotel Van Cleef, Hamburg, Indielabel, Interview, Kettcar, Kreuzberg, Label, Marcus Wiebusch, Prenzlauer Berg, Schanzenviertel, Studiosterben, Sylt, zitty, Zukunftsangst | 2 Kommentare »