Christoph Koch

Wollt grad sagen.

Mit ‘London’ verschlagwortete Einträge

Moderne Rüstung: In England verkauft ein Modekaufhaus kugelsichere Kleider.

Verfasst von christophkoch am 7. Januar 2009

Wenn schon unser Leben langweilig, unsere eigene Persönlichkeit wenig interessant ist, dann sollen immerhin unsere Kleider schocken.

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Schon immer hat sich die Mode daher für die Halb- und Unterwelt interessiert: Nietengürtel, Lederjacke und Baggyjeans bringen eine Ahnung vom wilden Leben ins Ober- und Mittelschichtenmilieu. Londons Nobelkaufhaus Harrod`s reizt dieses Prinzip jetzt aus und bietet die Kollektion des kolumbianischen Designers Miguel Caballero zum Verkauf: Blazer, Poloshirts, Zweireiher, ja sogar Unterwäsche zu meist vierstelligen Preisen. Der Clou: Die Kleider sind kugelsicher.

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Grime + Indie = Grindie

Verfasst von christophkoch am 12. Mai 2006

In England wird in diesen Tagen ein neuer Trend ausgerufen: Die Kapuzenrapper der Grimeszene vermählen sich mit den blassen Jeansjungs mit umgeschnallten Indiegitarren. Heraus kommt: Grindie. Der nächste große Wurf nach Crossover und Bastard-Pop? Oder nur ein musikalisches Strohfeuer?

Flyer zur Launch-Party des Grindie-Mixtapes

Flyer zur Launch-Party des Grindie-Mixtapes

Am Anfang klingt alles noch ganz normal: Zu einer entspannt geschrummten Gitarre singen die Arctic-Monkeys „And what a scummy man, Just give him half a chance, I bet he’ll rob you if he can …“, die Welt ist in Ordnung. Doch dann plötzlich fräst sich ein Störgeräusch in den Song und eine Stimme bellt ins Mikro: „Yeah, this is what happens when the sun goes down! Brrrrrrrrrap! Shameless, smoker’s die younger“. Was danach kommt, ist kaum noch zu verstehen, mit 200 Silben pro Sekunde spittet MC Shameless eine textliche Fortsetzung der Geschichte des „Scummy Man“ ins Mikro, erst zum Refrain dürfen die Arctic Monkeys wieder ran. Der „Southern Monkey Remix“ des Hits „When The Sun Goes Down“ ist nur ein Beispiel für den jüngsten Trend aus der an Moden nicht gerade armen Stadt London: Grindie.
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Rädelsführer oder Quälgeist?

Verfasst von christophkoch am 3. Mai 2006

Eindrücke vom Morrissey-Auftritt in London

Der Alexandra Palace liegt in den Hügeln über London und zur Vorfreude auf den Morrissey-Auftritt gesellt sich bei der menschlichen Ameisenstraße, die sich langsam bergauf schiebt, die Begeisterung über den Ausblick. „Ali Pali“ nennen die stiernackigen Bouncer die geräumige und mit schnörkeligen Bögen verzierte Halle, die sich bewachen. Drinnen Bierstände, mehrere Merchandisingbuden und vereinzelte „Morrissey-Morrissey-Morrissey“-Sprechchöre.

Morrissey in Rom

Visconti, Pasolini und ich: Morrissey in Rom

Das Licht geht aus, der Jubel los. Die ersten drei Lieder sind die Bombe. Zuerst „First Of The Gang To Die“, der Smash-Hit vom letzten Album, der ihn sieben Jahren der Stille wieder zurück auf die Tanzflächen brachte. Dann „You Have Killed Me“, das Stück „von der neuen“, das am schnellsten ins Ohr geht und auch jetzt selig mitgeschrien wird – „And there is no point saying this again, but I forgive you, I forgive you, always I do forgive you“. Ohne große Ruhepause danach sofort „Still Ill“, eines der Trademark-Stücke seiner Exband: The Smiths. Ali Pali tobt. Danach hat Morrissey einen Schweißfleck in der Form eines – kein Witz – Engels auf dem Rücken seines bordeauxroten Maßhemdes.

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Anton Corbijn: Der ehrliche Blick

Verfasst von christophkoch am 27. September 2005

Für den niederländischen Künstler Anton Corbijn ist die Musik wichtiger als die Fotografie. Vielleicht hat er deshalb einige der aufregendsten Videoclips gedreht.

Im Pfarrhaus der winzigen holländischen Insel Strijen liegt Mitte der sechziger Jahre häufig ein schlaksiger Junge mit Segelohren auf dem Fußboden. Der Wind trägt das Glockengeläut des Kirchturms durch das Fenster hinein, aber der Junge hört es nicht. Denn er konzentriert sich auf die Lieder aus dem Transistorradio, das neben ihm auf dem Boden liegt. Er schließt die Augen und stellt sich vor, wie die Menschen aussehen, die diese Musik spielen. Wie die Plattenhüllen gestaltet sind, in denen diese Musik steckt. Der Junge ist der Sohn des Pfarrers, er heißt Anton Corbijn, und heute muss er sich nicht mehr erträumen, wie die Popstars und ihre Plattenhüllen aussehen – denn er hat Hunderte von ihnen fotografiert.

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Wie niemand sonst hat Corbijn das visuelle Bild der Popmusik geprägt. Nicht nur durch seine inzwischen weltberühmten Fotografien, sondern – und darüber wird erstaunlich selten gesprochen – auch durch die mehr als 70 stilprägenden Musikvideos, die er für Bands wie U2, Depeche Mode, Nirvana, Joy Division oder Metallica gedreht hat.

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Hard-Fi: „Wir sind alle Stars der Überwachungskamera“

Verfasst von christophkoch am 17. August 2005

Richard Archer, Sänger der britischen Band Hard-Fi, glaubt nicht, das Monitore Verbrechen verhindern können. Ein Interview über staatliche Kontrolle und die Jugend in der Vorstadt.

Die Londoner U-Bahnhöfe sind nach den Bombenanschlägen leerer geworden. Aber sie sind voll mit schwarz-gelben Plakaten, die eine stilisierte Kamera zeigen. Jene Art von Überwachungskamera, die Bilder von den Attentätern lieferte, in die Abendnachrichten, in die Wohnzimmer, in die Köpfe der Londoner. Die schwarz-gelben Plakate werben aber nicht für eine Verstärkung des Überwachungsnetzes, wie es in Deutschland derzeit die Innenminister Schönbohm und Beckstein fordern – sondern für eine CD.

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Das Album „Stars of CCTV“ der Band Hard-Fi, das diese Woche erscheint, ist für den Mercury-Preis nominiert und wird bereits als eines der besten Alben des Jahres gehandelt. Ein düsterer Bastard aus The Clash, Gorillaz und einem lokalen Dub-Soundsystem – dazu: Texte über das Leben unter „sozial erschwerten Bedingungen“ und eben Überwachungskameras. Über eine Welt, in der, wie die britische Musikzeitschrift NME schreibt, jeder Geldautomat dauerhaft auf „keine Auszahlung möglich“ gestellt ist – und jeder Schwangerschaftstest auf positiv. Wir haben mit Hard-Fi-Sänger Richard Archer, 28, über das Leben in der Provinz gesprochen und ihn gefragt, ob ein dichtes Netz aus Sicherheitskameras wirklich eine Lösung ist.

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Natalie Press: Überzeugende Lügnerin

Verfasst von christophkoch am 5. Juli 2005

Schauspielerin Natalie Press spricht über erlaubtes Flunkern, Lügen aus Langeweile und die Ehrlichkeit von Politikern

Natalie Press gilt als eine der besten Nachwuchsschauspielerinnen Englands. Sie drehte bereits mit Ralph Fiennes und Penelope Cruz. In dem sehenswerten Film „My Summer of Love“, der gerade ins Kino gekommen ist, spielt die 23-jährige Londonerin ihre erste Hauptrolle: Mona, ein Mädchen aus der Unterschicht, das mit der wohlhabenden Tamsin eine Freundschafts- und Liebesbeziehung eingeht. Diese amour fou dauert einen brütend heißen Sommer lang an, bevor sie mit einer großen Enttäuschung endet. Ein Interview über das Lügen.

Hast du es als Schauspielerin leichter, weil du auch im echten Leben besser lügen kannst als andere?
Jeder hat doch so kleine Tricks, dafür muss man kein Schauspieler sein. Ich weiß auch nicht, ob es richtig ist, Ehrlichkeit immer als größte aller Tugenden hochzuhalten. Du kannst auch ehrlich sein und es macht dich zum Arschloch. Weil die Person in dem Augenblick vielleicht gerade etwas anderes gebraucht hätte.

Summer of love

Ab und zu flunkern ist also erlaubt. Wo ist für dich die Grenze?
Wenn ich bei einem Casting zum Beispiel so tue, als sei ich Schottin, um eine schottische Rolle zu bekommen, finde ich das nicht verwerflich. Wenn ich aber behaupte, meine Mutter wäre gestorben, nur um eine Waise spielen zu dürfen – das finde ich krank. Aber es gibt Kollegen, die tun das.

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