Verfasst von christophkoch am 30. Januar 2009
George Bush – The Oral History: A Goodbye To All That
Kaum ist Obama im Amt, wird die Zeit unter Bush ja von einigen schon wieder schöngeredet. So schlimm sei es ja nun auch wieder nicht gewesen. Wie schlimm die acht Jahre wirklich waren, wie bei jeder sich bietenden Gelegenheit Fehler gemacht wurden – all das kann man schön bei der (amerikanischen, logo) VANITY FAIR nachlesen. Im Heft schon rund 20 Seiten lang, muss man auch online tüchtig umblättern, bis man alle Statements durchgelesen hat – von UN-Waffeninspektor Hans Blix über Joschka Fischer bis zu der Grundschullehrerin, die dabei war, als George Bush von 9/11 erfuhr. Und was machen die Kollegen in Deutschland? Die hundertste Fotogalerie „Prominente Doppelgänger“. Ist man aber immerhin mit Klicken schneller durch.
Die Zukunft der Fotografie
Hier kann man sich ansehen, was Microsoft sich mit Photosynth ausgedacht hat. Fotos von Millionen Menschen, zusammengebastelt zu einem virtuellen dreidimensionalen Abbild der Welt. Wie das zum Beispiel beim Amtsantritt von Obama aussah, kann man hier ausprobieren.

Blaise Aguera y Arcas von Microsoft Live Labs stellt Photosynth vor, eine Software, die Fotos in einen interaktiven 3D-Raum umwandelt.
Hundert Sätze reichen für ein ganzes Leben
Hingewiesen werden muss hier auch mal auf die großartige Hauptsatz-Kolumne vom ehemaligen Kollegen Max Scharnigg auf jetzt.de. Jede Woche nimmt sich der brillante Beau eine dieser Phrasen vor, die man schon ungefähr einhundertmal zu oft gehört hat: „Ich hasse es, meine eigene Stimme zu hören.“ zum Beispiel. Oder „16.000 Euro sind viel Geld, Herr Jauch.“ Oder „Ich stehe ja voll auf britischen Humor.“ Rettet einem jedes Mal den Tag.
Text: Christoph Koch
Screenshot: TED
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Verfasst von christophkoch am 25. Juni 2008
Die derzeit klügste MEDIENKRITIK kommt ausgerechnet von Ashton Kutcher – und dem US-Entertainmentsender E! Fernsehen
Früher hat er in seiner MTV-Sendung »Punk’d« Prominente mit versteckter Kamera auf die Schippe genommen – jetzt dreht US-Schauspieler Ashton Kutcher den Spieß um: Zusammen mit eingeweihten Celebrities macht er die Medien lächerlich.
In der ersten Folge seiner neuen Sendung »Pop Fiction«, die seit März vom amerikanischen Sender E! ausgestrahlt wird, stellt er beispielsweise Paris Hilton einen Schauspieler an die Seite, der als indischer Schamane verkleidet ist. Einen Tag lang fahren die beiden durch L.A., stets begleitet von einem Tross Paparazzi – und kurz darauf machen sich nicht nur Promiblogs und US-Zeitungen, sondern auch der Kölner »Express« oder der »Berliner Kurier« über die ach so dumme Hotelerbin lustig – ohne zu merken, dass sie selbst es sind, die zum Narren gehalten werden.
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Verfasst von christophkoch am 31. Januar 2008
Warum wir nicht aufhören können, über Pete Doherty zu reden – obwohl dieser womöglich nur eine Erfindung ist
Die Pete-Doherty-Uhr muss Mitte 2005 ihren Weg in die Redaktionsstuben weltweit gefunden haben. Seither müssen eigens dafür beschäftigte Praktikanten mehrmals am Tag die Zeiger der Uhr so umstellen, dass sie den gegenwärtigen Zustand des Babyshambles-Sängers korrekt wiedergeben: „inhaftiert / nicht inhaftiert“, „von Kate Moss getrennt / mit ihr zusammen“ oder „clean / beim Crackrauchen gefilmt“ – so lauten die unterschiedlichen Parameter, die sich gerne auch mehrmals täglich ändern können. Ein bisschen sieht das Ganze aus, wie die Scheibe, die in altmodischen WG-Küchen anzeigt, wer gerade Spüldienst hat. Redaktionen, die zunächst glaubten, auf eine solche Pete-Doherty-Uhr verzichten zu können, wurden alsbald dadurch bestraft, dass sie den Überblick über die Eskapaden der „Skandalnudel“ (Visions) völlig verloren und ihren Lesern stets veraltete Informationen aus den britischen Boulevardblättern abschrieben.

Doch woher kommt es, dass wir uns alle – vom loyalen Fan Dohertys erster Band Libertines bis zum an Musik völlig Desinteressierten – fesseln lassen vom Schicksal des jungen Mannes mit den traurigen Augen? Nach Neuigkeiten aus seinem Leben zwischen Konzertbühne und Gerichtssaal gieren? Das Geheimnis von Pete Doherty ist, dass er jedem Betrachter eine eigene Projektionsfläche bietet. Der Musikfan kann darüber wehklagen, dass einer der brillantesten Songschreiber der Gegenwart sein Leben den Gulli hinunterspritzt – beziehungsweise von der bösen Presse auf ein amüsantes Drogenwrack-Spektakel reduziert wird. Freunde des Promi-Tratsches können stundenlang darüber philosophieren, was die „Skandalnudel“ (Berliner Morgenpost) und Kate Moss aneinander finden, wer mehr von den gemeinsam gemachten Schlagzeilen profitiert und wer mehr unter der letzten Trennung gelitten hat. Mode-Aficionados diskutieren erregt den Einfluss von Dohertys Stil auf die neue Kollektion von Hedi-Slimane und die Qualität der Designs, die die „Skandalnudel“ (Die Zeit) für das britische Kultlabel Gio-Goi entworfen hat. Und die aufrechten Feinde der Boulevardisierung und Celebrity-Hörigkeit der Medienlandschaft werden geeint in ihrem Hass auf diese „männliche Paris Hilton“, der sie jedes Recht absprechen, überhaupt im Rampenlicht zu stehen: „Der nervt doch nur, dieser Typ“.
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Verfasst von christophkoch am 16. November 2005
Auf der Suche nach Pete Doherty, von den einen als größter Musiker seiner Generation verehrt, von anderen als dümmlicher Junkie im Schlepptau von Kate Moss verachtet.
Junge trifft Jungen. Sie gründen die Libertines, „die beste Band ihrer Generation“ (NME). Band trinkt viel und nimmt Drogen, Junge nimmt immer am meisten. Junge fliegt aus der Band, Junge bricht bei Band-Freund ein, um Heroinsucht zu finanzieren. Junge geht ins Gefängnis. Junge und Band söhnen sich wieder aus. Band nimmt zweites Album auf. Bodyguards verhindern Prügeleien und Crackhead-Besuche im Studio. Junge versucht Entziehungskuren – bricht alle ab. Band wirft Jungen endgültig raus, Junge trifft neue Band: die Babyshambles. Junge trifft Mädchen: Kate Moss. Band gilt als unfähige Chaostruppe, Mädchen wird im Studio beim Koksen gefilmt. Mädchen trennt sich von Junge, Menschen schließen Wetten ab, wie lange Junge noch lebt. In die Ecke getrieben, tritt Junge nach Welt aus. Welt tritt zurück – mit einem Mal beschissen viel härter.

Gegen die Welt, gegen den Strich
Es ist schwer, derzeit an die Babyshambles heranzukommen. Ein Interview in London im Rahmen eines Konzerts in der Brixton Academy wird kurzfristig abgesagt. Niemand weiß, wo Pete ist. Das einzige Lebenszeichen seiner Musiker besteht aus „This is Drew’s phone“-Mailboxansagen. Irgendwann steht dann doch eine Verbindung in ein turbulentes Pub irgendwo in East London. „Es ist alles gerade sehr schwierig und chaotisch“, erklärt Babyshambles-Bassist Drew McConnell. „Wir haben keinen Manager mehr. Unser Gitarrist Patrick fliegt gerade aus seinem Haus raus. Pete will zu Kate zurück, aber er darf sie nicht sehen. Vielleicht, wenn sie wieder in England ist …“ Kurz begrüßt er ein neues Gesicht am Tisch, dann ist er wieder bei der Sache. Erzählt von ihren Instrumenten, die die Polizei seit geraumer Zeit beschlagnahmt hält: „Es ist zum Kotzen. Wir spielten ein Konzert in einem Pub. Kate war auch da, es war ein toller Abend. Zwei Stunden nach dem Konzert saßen wir noch herum und feierten, als die Polizei erklärte, es habe Beschwerden über zu viel Lärm gegeben, und alle Instrumente konfiszierte. Ich war sieben Mal auf der Polizeiwache und wollte die Ausrüstung abholen, aber sie rücken sie nicht raus. Jedes Mal sagen sie mir, der zuständige Beamte sei gerade nicht da.“
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