Christoph Koch

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Joy Division: Ruhm posthum

Posted by christophkoch - 26. Dezember 2007

Ein Kinofilm, Wiederveröffentlichungen und dutzende Epigonen – 30 Jahre nach ihrer Gründung ist die Band Joy Division präsenter als je zuvor

Der Morgen des 18. Mai 1980 dämmert, über den grauen Reihenhäusern des nordenglischen Macclesfield geht die Sonne auf. Auf dem Plattenteller von Ian Curtis liegt Iggy Pops Platte „The Idiot“. Der blasse 23-Jährige hat sich gerade Werner Herzogs Film „Stroszek“ angesehen, morgen soll er mit seiner Band Joy Division auf eine USA-Tournee gehen, die der Band den Durchbruch bringen könnte. Doch anstatt seinen Koffer zu packen, geht er in die Küche und hängt sich auf.

Control1

Nun zeichnet – rund 30 Jahre nach Gründung der Band – der Film „Control“ den Weg des lebensmüden Sängers nach. Und wird damit vielleicht den endgültigen Hypeum eine Band einleiten, die im Grunde nie wirklich verschwunden, sondern stets auf unnachahmliche Weise präsent war. Doch woran liegt es, dass eine Band mit einem derart überschaubaren Werk, das so lange zurückliegt, heute immer noch fortwirkt? Dass ihre Lieder in Clubs laufen, die sich sonst aktueller Musik widmen? Dass man im Nachtleben immer noch Menschen sieht, die die stilisierte Hügelkette des „Unknown Pleasures“-Covers auf dem T-Shirt tragen?

Die kühle, minimalistische und unfassbar aseptische Musik von Joy Division entzieht sich zeitlichen Einordnungen. Egal, ob bei ihrer Entstehung, zehn Jahre später in einer ländlichen Wavedisco oder neulich im Kreuzberger Club Monarch: Lieder wie „She’s Lost Control“ klingen stets vergangen, gegenwärtig und zukunftsweisend zugleich. „Unsere Ausrüstung war so schlecht, dass ich nie hörte, was Ian sang oder was Bernard auf der Gitarre spielte“, erinnert sich Bassist Peter Hook an die Aufnahmen zum ersten Album der Band. „Als ich es dann hörte, war es eine Offenbarung. ,Unknown Pleasures’ ist absolut zeitlos. Keiner von uns weiß, wie wir es hinbekommen haben.“

Inzwischen haben sich Bands wie Interpol und Editors, die bei ihrem Auftauchen vor einigen Jahren als schamlose Joy-Division-Epigonen kritisiert wurden, etabliert und gelten selbst als Referenzmarke für neugegründete Bands. Wie beispielsweise für die junge Hamburger Band Museum, die behauptet, von jeder deutschen Plattenfirma abgelehnt worden zu sein. Trotzdem gehört sie mit über 20.000 Hörern zu den populärsten Gruppen auf der Internet-Musikplattform last.fm ohne einen Plattenvertrag und belegte dort eine Zeitlang Platz Eins der Download-Charts. Ob sie nun bei Joy Division klauen oder bei deren Nachahmern wie Interpol – das ist wohl letztlich nur noch eine Frage des Standpunkts oderdes eigenen Geburtsjahres.

Kritische Stimmen behaupten, ohne den wirkungsmächtigen Selbstmord würde sich drei Jahrzehnte später niemand mehr für Joy Division interessieren. Jens Friebe, Berliner Indiepopstar der Gegenwart, lässt solche Argumente nicht gelten: „Die Antwort darauf ist die Joy-Division-Nachfolgeband New Order. Selbst ohne Curtis und sein düsteres Charisma blieb eine Hit-Großmacht mit unbeflecktem Ruf übrig“, sagt der Sänger im Interview. „Das hätte mit Curtis wohl erst recht geklappt.“

Als sich Ian Curtis das Leben nahm, hatte er bereits eine Tochter in die Welt gesetzt. Natalie Curtis ist inzwischen 28 Jahre alt und arbeitet als Fotografin in Manchester. Sie erklärt sich die starke Nachwirkung der Musik ihres Vaters so: „Als ich das erste Mal das Album ,Closer’ hörte, dachte ich, es sei ganz normale Musik. Ich ging einfach davon aus, dass jede Musik auf diesem Niveau vonKlasse stattfand. Als ich älter wurde, war es ein Schock, zu entdecken, dass nicht alles so außergewöhnlich war.“

Achtung: Dieses Blog ist umgezogen: Bitte lesen Sie hier weiter:  http://www.christoph-koch.net/2007/12/26/joy-division-ruhm-posthum/

Control2

Text: Christoph Koch
Erschienen in: zitty
Fotos: Verleih

Lesen Sie auch: Ein Portrait des Regisseurs des Joy-Divsion-Films „Control“ – Anton Corbijn

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