Christoph Koch

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Posts Tagged ‘MTV’

Produktbiografie: meine Videoclips

Posted by christophkoch - 12. Mai 2009

Zu einer Biografie gehören nicht nur die Schulabschlüsse und Wohnorte, sondern auch die Produkte, Frisuren und Moden, die man mit der Zeit so mitgemacht hat.

a-ha „Take On Me“ (1985, Regie: Steve Barron)

Während die anderen Kinder schon Kabelfernsehen und damit MTV oder zumindest einen längst vergessenen Sender namens „Tele5“ hatten, der Musikvideos zeigte, war mein einziger Zugang zu diesem neuen Medium eine ORF-Variety-Show namens „Wurlitzer“. Wenn ich mich recht erinnere, hatte der Moderator einen Wurliwurm als Sidekick und es kamen meist Sketche und Volksmusik. Aber dies stundenlang stoisch zu erdulden, war es sowas von wert, wenn am Ende Morton Harket und sein Mädchen durch den zerknitterten Gang liefen. Dinge, die ich heute – im Gegensatz zu damals – weiß:

  • Sänger Morton Harket und die Schauspielerin wurden für ein Jahr wirklich ein Paar.
  • Für die Szene mit der Comic-Hand, die aus dem Heft ragt, stecke Harket seinen Arm durch eine Luke im Cafétisch.
  • Ja, man kann dieses Lied zu oft hören.

MyVideo-Link

***

Massive Attack „Unfinished Sympathy“ (1991, Regie: Bailie Walsh)
In der Schule demonstrierten wir gegen den ersten Irak-Krieg und die coolen Typen aus Bristol nannten sich eine Weile nur „Massive“. Das war mir sympathisch, auch wenn ich musikalisch die ganze elektronische Remix- und DJ-Sache noch mit Argwohn verfolgte. Doch das Video, in dem die so traurige, so schöne Shara Nelson – in einer einzigen, über fünf Minuten langen Einstellung gefilmt – den West Pico Boulevard in L.A. herunterschlendert und dabei Männer ohne Beine, Kinder mit Wasserpistolen und Gangs mitz Pitbulls umkurvt, leuchtete mir sofort ein. Das war kein „Promo Video“. Das war Kunst. Und das kalifornische Abendlicht eine Verheißung. Selten war ich MTV so dankbar für seine Angewohnheit einem Videos in der Heavy Rotation dreimal pro Stunde um die Ohren zu hauen. Denn wir hatten zwar inzwischen Kabelfernsehen, aber immer noch keinen Videorekorder. Und „Unfinished Sympathy“ ist ja eines der Videos, in denen man auch beim Hundertsten Sichten noch etwas Neues entdeckt – wie zum Beispiel das knutschende dicke Paar bei 4:11. Jahre später würde Richard Ashcroft mit „Bitter Sweet Symphony“ den genau gleichen Stunt versuchen und alleine durch die Straßen streifen. Wieder sagenhaft – aber eben nur zweiter.

***

Drop Nineteens „Winona“ (1992, Regie: unbekannt)
Nach langen familieninternen Diskussionen war inzwischen auch ein Videorekorder angeschafft worden und der feine Herr Sohn saß von nun an abends mit dem Finger auf der „Record“-Taste vor der Glotze und schnitt Videos wie dieses hier bei „120 Minutes“ mit. Dem coolen Alternarockformat des Senders, der damals noch aus London Souveränität, Coolness und Bescheidwissen in deutsche Provinzhaushalte hinausstrahlte. Und was für eine Welt sich da plötzlich zwischen Schrankwand und Schultasche auftat: Bunte Farben und LSD-Lyrics, in Zeitlupe zum Auto rennen und beim Fahren zum Fenster raushängen, stundenlang Sauerei beim Frühstück in der Kommunenküche der Bandkollegen machen und anschließend auf dem Vorgarten mit einer Gitarre in der Hand herumtollen – so stellte ich mir das Leben vor, wenn ich endlich von Zuhause ausgezogen sein würde. Und beinahe wäre es auch so gekommen. Ach so: Bei der besungenen Winona handelt es sich selbstverständlich um die Filmschauspielerin, in die ich damals wie jeder Indiejunge verliebt war. Kann man heute wohl nur noch ebenso schwer nachvollziehen, wie die Ästhetik dieses Videos. Aber damals war all das haargenau richtig.

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„Das war kein MTV-Hüpfen, das war so ein Freu-Hüpfen“

Posted by christophkoch - 27. Oktober 2005

Thees „Tomte“ Uhlmann und Marcus „Kettcar“ Wiebusch über die Dreharbeiten zu „Keine Lieder über Liebe“

Drei Wochen lang waren Heike Makatsch, Jürgen Vogel und Florian Lukas für den Film „Keine Lieder über Liebe“ mit der Hansen Band auf Tour. Einer Band, die für den Film gegründet wurde und jetzt real existiert. Dabei: Thees Uhlmann von Tomte und Marcus Wiebusch von Kettcar. Ein Interview über die Dreharbeiten zu einem Film, der die Grenzen zwischen Dokumentation und Spielfilm, zwischen Liebesdrama und Rockmovie überschreitet.

Hansen

Look At Us, We Formed A Band: Felix Gebhard, Max Schröder,Thees Uhlmann, Jürgen Vogel und Marcus Wiebusch (von links)

Was für einen Unterschied macht es, ob ihr einen Song für eure eigenen Bands Kettcar und Tomte schreibt – oder für eine Filmband, in der dann ein Schauspieler den Text singt?

Thees: Musikalisch ist das kein großer Unterschied: Man setzt sich halt mit der Gitarre hin und wenn man Glück hat, kommt ein Lied dabei heraus. Textlich fand ich es sogar einfacher. Bei Tomte gehe ich mit meiner vollen Persönlichkeit in die Texte rein und für die Hansentexte habe ich mich in einen Charakter hineinversetzt. Das ist dann wie eine fiktive Geschichte zu schreiben, ich habe da weniger Verantwortungsdruck gespürt.

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O.C. California: Die große kalifornische Fernsehjugend

Posted by christophkoch - 28. Januar 2005

„O.C. California” ist nicht nur die beste Jugendserie seit Jahren – sie ersetzt auch das Musikfernsehen

Über keine Fernsehserie wurde im vergangenen Jahr in den USA so viel geredet wie über „The O.C.” (in Deutschland „O.C., California”). Die Abkürzung steht für Orange County, eine wohlhabende Gegend im Süden Kaliforniens, in der es nach Sandstrand und frisch polierten Autos riecht – und manchmal nach stiller Verzweiflung. 9,6 Millionen Zuschauer sahen im Schnitt die erste Staffel der Serie. Und das, obwohl die Geschichten aus Orange County alles andere als eine Werbung für den kalifornischen Way of Life sind: Zwei Mädchen legen ihre stockbesoffene Freundin vor deren Elternhaus auf den Boden und suchen kichernd das Weite, eine Mutter verführt den Ex-Freund ihrer Tochter – und auf nahezu jeder Party wird entweder gekokst oder die Abendgarderobe abgelegt, um sich zu prügeln. Schon die erste Folge der Serie (am Mittwoch auf ProSieben) ist so voller Tempo, Ereignisse und Spannung, dass man denkt, man würde einen kompletten Spielfilm sehen. Dabei sind es nur rund 45 Minuten einer Fernsehserie.

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Im Zentrum von „The O.C.” steht Ryan (Benjamin McKenzie), dem das Leben übel mitgespielt hat: Der Vater im Knast, die Mutter Alkoholikerin, der Bruder Autoknacker. Als Ryan durch diesen beinahe selbst ins Gefängnis muss, holt ihn der herzensgute Pflichtverteidiger Sanford „Sandy” Cohen (Peter Gallagher) zu sich nach Hause – in die behütete Gemeinde von Newport Beach. Während Sandys schüchterner Sohn Seth (Adam Brody) sich freut, in Ryan vielleicht endlich so etwas wie einen Freund zu finden, ist Mutter Kirsten (Kelly Rowan) weit weniger begeistert, einen wortkargen Unterhemdträger in ihrem Poolhaus zu haben, der noch dazu Zigaretten raucht.

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Stunk in Stankonia – Outkast verstehen sich nicht mehr so gut

Posted by christophkoch - 30. August 2003

Während ein Großteil der HipHop-Landschaft stets dieselben Themen – Finanzen, Rauschgifthandel und Beischlaf – bemüht, entführte uns Atlantas dynamisches Duo Outkast in eine andere, bessere Welt: Stankonia. Andre Benjamin (Dre3000) und Antwan Patton (Big Boi) haben es im Lauf von rund zehn Jahren und vier Alben geschafft, ein bizarr-durchgeknalltes Paralleluniversum aufzubauen, wie es seit George Clintons Landung mit dem Mothership kein zweites gab.

mit Andre3000 in einem Raum sein.

Big Boi - Mag: Pitbulls und Pelzmäntel / Mag nicht: mit Andre3000 in einem Raum sein.


Nach Achtungserfolgen in der Rap-Szene und Musikpresse knackten die beiden Südstaatler mit ihrem vierten Album “Stankonia” und der Single “Ms Jackson” schließlich auch den Mainstream: dreifaches Platin in den USA (Album) und Platz eins der deutschen Single-Charts. Jetzt steht der Nachfolger ins Haus, ein Doppelalbum sogar, doch es ist kein gemeinsames Werk mehr, sondern ein siamesischer Zwilling aus zwei Soloalben. Was das für die Zukunft von Outkast bedeutet und ob die beiden immer noch wie “Brüder verschiedener Mütter” sind – eine Reise in den Süden Frankreichs soll es verraten.

Hey Ya, I Love The Way You Move

Das Hotel Du Castellet, in dem Big Boi und Dre abgestiegen sind, liegt ungefähr eine Stunde von Marseille entfernt im absoluten Niemandsland. Der Taxifahrer muss bei der Rezeption anrufen und sich telefonisch hinlotsen lassen, doch nach der Ankunft wird klar, warum das amerikanische HipHop-Duo den weiten Weg auf sich genommen hat: In einem Mix aus provençalischer Architektur und altem römischen Landsitz streckt sich das Areal des Hotels über mehrere Hektar hin, statt in Zimmern wohnen die Gäste in kleinen Häuschen mit eigener Terrasse. Draußen sorgen Pinien und Zypressen, Golf- und Tennisplatz, Pool und ein berauschender Talblick für die Entspannung der oberen Zehntausend. Ein komplett künstliches Legoland, das labile Gemüter wahrscheinlich am dritten Tag in den Wahnsinn oder in eine schwere Valium-Abhängigkeit treibt.

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